Griechenland: Neuwahl mitten in der Krise

Nach der gescheiterten Präsidentenwahl müssen die Griechen entscheiden, wie es in ihrem Land weitergehen soll. Viel Zeit hat das klamme Euroland aber nicht. Die Kassen werden Anfang März leer sein.

Im pleitebedrohten Griechenland werden am 25. Januar vorgezogene Wahlen stattfinden. Dies teilte Regierungschef Antonis Samaras mit, nachdem auch der dritte Anlauf für die Wahl eines Staatspräsidenten im Parlament gescheitert war. Der einzige Kandidat, der konservative ehemalige EU-Kommissar Stavros Dimas (73), bekam auch im letzten Durchgang am Montag nur 168 Stimmen. Notwendig wären 180 Stimmen gewesen.

Die Verfassung schreibt in diesem Fall vorgezogene Wahlen vor. Ein möglicher Sieg von Gegnern der Sparpolitik löste Befürchtungen aus, der Euroraum könnte auf eine neue Krise zusteuern. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnte Griechenland vor einer Abkehr vom Sparkurs. "Wenn Griechenland einen anderen Weg einschlägt, wird es schwierig", hieß es in einer Mitteilung seines Ministeriums. DIW-Chef Marcel Fratzscher sah jedoch keine erheblichen Gefahren für Europa. "Ich erwarte keinen signifikanten Rückschlag für Europa durch die politische Krise in Griechenland", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Die Börse in Athen zeigte sich zunächst schockiert über die vorgezogenen Wahlen und brach um mehr als zehn Prozent ein. Kurz vor Börsenschluss betrug das Minus dann nur noch knapp vier Prozent. Der Deutsche Aktienindex schaffte zum Handelsschluss sogar noch knapp den Sprung ins Plus. Der Internationale Währungsfonds teilte mit, er werde erst mit einer neuen Regierung über weitere Hilfen sprechen.

Sehr zufrieden zeigte sich Oppositionschef Alexis Tsipras: Die Entscheidung des Parlaments signalisiere das Ende der Sparpolitik, die zur "Plünderung des Volkes" geführt habe. Umfragen zufolge würde die Linke unter Führung von Tsipras aus den Wahlen als stärkste Kraft hervorgehen, die absolute Mehrheit aber verfehlen. (Seite 8)
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