Gutsherrn einen Schlegel abgeben

Eine Postkarte zeigt eine Ansicht von Thanhausen im Jahr 1911.

Übeltäter in Gewahrsam nehmen durften die Gutsherrn vor vielen Jahren in der Hofmark Thanhausen. Dies ist nur eine der Episoden, an die bei der Feier zum 800-jährigen Bestehen der Ortschaft erinnert wird.

800 Jahre Hofmark Thanhausen - dieses Jubiläum wird vom 12. bis 14. Juni in der Ortschaft gefeiert. Allerdings in einem überschaubaren Rahmen. Dennoch werden mit Dr. Markus Söder - Domkapitular Prälat Peter Hubbauer hochkarätige Gäste dabei sei.

Frondienst und Zehnt

Thanhausen bildete bis ins 19. Jahrhundert hinein den herrschaftlichen Mittelpunkt einer Hofmark, einem adeligen Grundherrschaftsbezirk, der auch die niedrige Gerichtsbarkeit umfasste und sich gerade in der Oberpfalz im hohen Mittelalter vielfach als Herrschaftstypus etabliert hatte. Der Gutsherrschaft war erlaubt, Übeltäter bis drei Tage in Gewahrsam zu nehmen, dann waren diese dem Pflegamt Bärnau zu überstellen, das auch für Malefizsachen, wie Diebstahl, Ehebruch und Delikte zu Kopf und Hand zuständig war.

Jeder heranwachsende Sohn oder Knecht musste bei der Grundherrschaft mannbar werden, der bei "Totfall" auch das Besthaupt und bei gültigem Verkauf der zehnte Pfennig Kaufrecht zustand. Zehntabgaben an Feldfrüchten, Naturalien und Kleinvieh waren ebenso fixiert wie Scharwerk, Fuhrleistungen, Feld- und Taglohnarbeiten. Für den hohen und niederen Wildbann war ebenfalls die Grundherrschaft zuständig, doch musste dem Pflegamt von jedem erlegten Wild ein Schlegel oder Lauf abgeführt werden Die Bewirtschaftung des herrschaftlichen Betriebes stützte sich wesentlich auf die dienstpflichtige Untertänigkeit der Bewohner der Hofmark, Fronen, Ansprüche auf dingliche Rechte, die an den Besitz von Grund und Boden gebunden waren. Das Jahr 1807 schuf zwar die Voraussetzungen zur Befreiung von den Lasten durch Scharwerk, Hand- und Spanndienste, sowie Naturalabgaben, doch währte in dem Orte ein Fronpflicht ähnliches Verhältnis infolge örtlicher Gegebenheiten bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zuletzt privatrechtlich geregelt, jedoch an überkommener Rechtsgepflogenheit orientiert.

Fronen wurden Grundzins

Noch 1839 musste vom Anwesen Nr. 11, Frellerbauer, infolge eines Totfalls das Besthaupt abgeführt werden. Der Blutzehent zum zehnten Stück Schweinen, Lämmern, Gänsen, Enten und Hühnern wurde nach einem renovierten Kataster im Jahre 1848 annulliert. Fronen werden in Grundzins umgewandelt und Naturalabgaben sowie Bewässerungsrechte in Geldabgaben angesetzt, alles gerichtsbar zum Patrimonialgericht. Der zehnte Pfennig Kaufrecht wurde noch 1809 erhoben.
Weitere Beiträge zu den Themen: Markus Söder (1507)Juni 2015 (7772)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.