Hacker-Angriff: Spuren führen nach Russland

Laptops und Tablets sind aus dem Bundestag nicht mehr wegzudenken. Seit der jüngsten Cyber-Attacke machen sich die Abgeordneten aber Sorgen, ob ihre Daten noch sicher sind. Bild: dpa

Ist es die Rache Putins? Die Anzeichen, dass Moskau hinter dem Hacker-Angriff auf den Bundestag steckt, verdichten sich. Auch der Verfassungsschutz tippt auf einen ausländischen Geheimdienst.

Hinter der bisher größten Cyber-Attacke auf den Deutschen Bundestag steckt möglicherweise Moskau. Hinweise, die auf Russland als Ursprungsland des Angriffes deuteten, hätten sich verstärkt, wie am Donnerstag in Berlin aus mehreren Quellen zu erfahren war. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sagte am Rande einer Konferenz zur Cybersicherheit in Potsdam, er habe die Sorge, "dass es sich um einen Cyberangriff eines ausländischen Nachrichtendienstes handelt".

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) teilte den Abgeordneten mit, in den vergangenen beiden Wochen seien keine weiteren Daten abgeflossen. Das bedeute aber nicht, "dass der Angriff endgültig abgewehrt und beendet wäre".

Nur vage Auskünfte

Maaßen sagte nicht, um welches Land es sich bei dem möglichen Urheber der Cyber-Attacke handeln könnte. Er sagte: "Mein Dienst hat immer wiederholt bestätigt, dass jedenfalls die Cyberangriffe von russischen Diensten hochqualifiziert sind und uns große Sorge bereiten." Der Angriff auf den Bundestag sei "beachtlich". Gewissheit gibt es aber nicht. Unter anderem ist noch unklar, ob es sich um einen russischen Geheimdienst oder eine andere russische Organisation handelt. In Russland gibt es enge Verbindungen zwischen den Geheimdiensten und der organisierten Kriminalität. "Spiegel Online" hatte berichtet, Experten lägen Anhaltspunkte dafür vor, dass der russische Auslandsnachrichtendienst SWR hinter der Aktion steckt.

Vier Wochen nach Bekanntwerden der Cyber-Attacke darf sich das für Spionageabwehr zuständige Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) nun doch um den Angriff kümmern. Wegen verfassungsrechtlicher Bedenken vor allem der Opposition hatte sich der Verfassungsschutz bisher nicht an der Aufklärung beteiligen dürfen.

Dimension unklar

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Bernhard Kaster (CDU), sprach vom "bisher größten Cyberangriff auf den Bund, auf das deutsche Parlament". Der Digital-Experte der Unionsfraktion, Thomas Jarzombek, ergänzte: "Von einem Totalschaden kann keine Rede sein." Es seien 15 Bundestagsrechner angegriffen worden. Ein Bundestags-Experte sagte aber, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Schadsoftware auch nach längerer Inaktivität wieder auftauche.

"Es geht im Wesentlichen um Software", sagte Kaster. Computersysteme und Server müssten in Teilen neu aufgesetzt werden. "Das darf aber nicht verwechselt werden mit einem kompletten Austausch der Hardware." Von anderer Seite hieß es, es sei denkbar, dass am Ende doch die ganze Hardware ausgetauscht werden müsse. (Kommentar und Seite 8)
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