Hacker zwingt Sony in die Knie

Die Cyberattacke auf Sony Pictures ist beispiellos. Doch der Umgang damit - Filmemachern zufolge - noch viel schlimmer. Schon jetzt wirkt sich der Fall auf andere Projekte aus. Ist die Meinungsfreiheit in Gefahr?

Eigentlich ist die Weihnachtszeit immer auch Kinozeit. Wer sich vom hektischen Einkauf und dem Trubel im eigenen Wohnzimmer erholen will, lehnt sich im Kinosessel zurück und kann den ganzen Stress für zwei Stunden vergessen. Auf dieses Publikum zielte auch Sony Pictures mit seinem Film "The Interview" ab, der am 25. Dezember in den USA anlaufen sollte. Doch alles kam ganz anders.

Im Trailer kommt die Satire zum geplanten Mord am nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un locker daher. Man ahnt, dass die Begegnung der beiden US-Journalisten (Seth Rogen und James Franco) mit dem Diktator (zumindest aus westlicher Perspektive) reichlich Stoff zum Schmunzeln bietet. Im Fall glauben ihm seine Leute alles, was er ihnen sagt - also auch, dass er mit Delfinen sprechen kann und nie zur Toilette muss. In Deutschland sollte die Komödie im Februar starten.

Dass Sony den Film nach einer beispiellosen Hackerattacke auf sein Computernetz zurückgezogen hat, macht diesen Cyberangriff erst so bedeutsam. US-Kinos verzichteten nach Terrordrohungen darauf, den Streifen zu zeigen. Zu groß war die Angst vor einem Blutbad am Weihnachtsfeiertag. "Werden wir uns jedes Mal unterdrücken lassen, wenn jemand etwas online postet?", fragt Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Judd Apatow ("Jungfrau (40), männlich, sucht") im Interview der "Los Angeles Times". Den Studios in Hollywood sagt er eine "düstere Zukunft" voraus. Schauspieler und Entertainer zeigen sich enttäuscht.

Die Aufregung ist auch deshalb so groß, weil das Unternehmen zwar Konzern-Chefs aus Japan haben mag, als Filmstudio aber ein ur-amerikanischer Betrieb ist. US-Kommentator Tom Bevan sagte: "Früher wäre es undenkbar gewesen, dass ein Blecheimer-Diktator auf der anderen Seite der Welt US-Unternehmen auf diese Weise schikanieren kann." Ermittler in den USA vermuten Nordkorea "zu 99 Prozent" hinter dem Angriff, Pjöngjang weist dies zurück.

Die "Washington Post" schreibt, schon jetzt habe sich der Fall auf andere Filmprojekte ausgewirkt, etwa einen Thriller mit Steve Carell, der ebenfalls in Nordkorea spielen sollte. New Regency habe sich entschieden, das Projekt zu streichen.
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