Haderthauer wehrt sich

Vor anderthalb Jahren schickte Richter Rupert Heindl Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis, jetzt führt er den Prozess gegen den Mann von Ex-Staatskanzleichefin Haderthauer. Diesmal geht es nicht nur um Steuerhinterziehung, sondern auch um Betrug.

Der Ehemann von Ex-Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) will im Prozess gegen ihn wegen Betrugs und Steuerhinterziehung umfassend aussagen. Hubert Haderthauer werde "seine Person, sein Handeln, Denken" offenlegen, sagte sein Verteidiger am Donnerstag vor dem Landgericht München II nach Verlesung der Anklageschrift. Das wolle er aber nicht am ersten Prozesstag tun, sondern voraussichtlich am 7. Januar. Zum Betrugsvorwurf sagte der Anwalt: "Dagegen hat er sich immer gewehrt - und wird sich auch hier wehren."

Verfahren abgetrennt

Zuvor war der Prozess direkt nach Beginn unterbrochen worden. Denn Haderthauers Mitangeklagter, sein ehemaliger Anwalt, soll nach Angaben des Verteidigers wegen einer Erkrankung verhandlungsunfähig sein. Das Landgericht stimmte dem Antrag der Verteidigung zu und spaltete das Verfahren gegen den Mitangeklagten ab. Der Vorsitzende Richter ist Rupert Heindl, der vor anderthalb Jahren den früheren FC-Bayern-München-Manager Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis schickte. Auch der Staatsanwalt ist mit Achim von Engel derselbe wie im Hoeneß-Prozess.

Hintergrund des aktuellen Verfahrens ist die sogenannte Modellbau-Affäre, über die Christine Haderthauer stürzte: Die CSU-Politikerin aus Ingolstadt und ihr Ehemann waren bis 2008 nacheinander Miteigentümer des Unternehmens Sapor Modelltechnik, das teure Modellautos verkaufte, die von Straftätern in der Psychiatrie gebaut wurden. Wichtigster Konstrukteur war ein verurteilter Dreifachmörder.

Die Staatsanwaltschaft wirft Hubert Haderthauer vor, als geschäftsführender Gesellschafter von Sapor Modelltechnik einem früheren Mitgesellschafter einen niedrigeren Unternehmenswert vorgetäuscht und ihn so um gut 84 000 Euro geschädigt zu haben. Außerdem soll er Tausende Euros an Steuern hinterzogen haben.

Modelle statt Leichen

Als erster Zeuge war am Donnerstag ein Steuerfahnder geladen, der unter anderem von den Durchsuchungen im Hause Haderthauer, in den ehemaligen Geschäftsräumen und den Bezirkskrankenhäusern berichtete, in denen die Modellautos gefertigt wurden. Der Polizeifotograf war "begeistert, dass er mal Modelle fotografieren durfte - und nicht nur Leichen", berichtete der Finanzbeamte.
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