Hausarrest für Pistorius

Der frühere Sportstar Oscar Pistorius (links) findet für die nächste Zeit in der Villa seines Onkels Arnold (rechts) Unterschlupf. Archivbild: dpa

Er war Südafrikas Sportidol - und fiel tief: Statt auf Siegertreppchen zu stehen, saß der beinamputierte Ex-Sprinter Oscar Pistorius ein Jahr in Haft. Nun darf er in Hausarrest. Doch die begrenzte Freiheit dürfte für ihn ein Leben in Angst bedeuten.

Am Dienstag hat das Hoffen und Bangen von Oscar Pistorius vorerst ein Ende. Wenn sich die Tore des Gefängnisses Kgosi Mampuru II in Pretoria für den Sprinter öffnen, dürfte er unter den Kameraschwenks der Journalisten direkt in die Luxusvilla seines Onkels gefahren werden. Der einstige Spitzenathlet, der am Valentinstag 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp erschoss und wegen Totschlags zu fünf Jahren verurteilt wurde, lebte dort auch schon während des Prozesses.

Onkel Arnold besitzt nach Medienberichten eine 27-Zimmer-Villa - da lässt es sich komfortabler leben als in der Haftzelle. Swimmingpool, Privatkino - alles da. Doch Insider wie der südafrikanische Anwalt Cliff Alexander warnen vor dem Eindruck eines unbeschwerten Lebens. "Hausarrest vermittelt einen falschen Eindruck", sagt Alexander der Zeitung "The Citizen". Zum Hausarrest gehören strenge Auflagen - angefangen bei einem kompletten Alkoholverbot über Sozialstunden und der Pflicht, eine Arbeit anzunehmen, bis hin zu einem Leben, in dem Drohgebärden strikt verboten sind. Selbst um Mitternacht könnten Aufseher unangemeldet an der Haustür klingeln, um sofortige Blut- oder Urintests anzuordnen. Würden sie auf Alkohol- oder Drogenkonsum hinweisen, wäre es vorbei mit der begrenzten Freiheit.

Pistorius hatte seine Freundin mit vier Schüssen durch eine geschlossene Toilettentür getötet - im Prozess gab er an, dahinter Einbrecher vermutet zu haben. Im Oktober 2014 wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er hat sich aber gut geführt, daher darf er nach Verbüßung eines Sechstels seiner Strafe in den Hausarrest wechseln. Diesen genießt Pistorius womöglich aber nur kurz. Am 3. November steht in Bloemfontein die Berufung der Staatsanwaltschaft zur Verhandlung an. Sie möchte ein härteres Urteil. Ihm könnte dann eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren drohen.
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