Hegepflicht wird gern vergessen

Genügend Wildschweine zu erlegen, um der Probleme Herr zu werden, ist seit Jahren eine der Hauptaufgaben der Jägerschaft. Bilder: Gebhardt (2)

Zwei Reizworte sind es, die derzeit die Diskussion um die Jagd beherrschen: Schwarzwild und Nachtzielgeräte - kontroverse Meinungen nicht nur am Stammtisch. Dr. Günther Baumer aus Amberg, Vizepräsident des Jagdverbandes in Bayern, sieht die Jäger stark gefordert, sich jetzt gegen eine Änderung des Jagdgesetzes zu stellen.

Klare Positionen prägen im Gespräch mit unserer Zeitung die Aussagen von Dr. Günther Baumer. Er bezieht Stellung und legt die Strategie offen.

Herr Dr. Baumer, werden Wildschweine künftig nur noch nachts mit Spezialzielfernrohren erlegt?

Das ist der Dauerbrenner, der unsere Jägerschaft vielfach spaltet. Die Entscheidung über die Zulassung der Nachtzieltechnik liegt letztendlich beim Bundeskriminalamt. Wir müssen aufpassen, dass nicht nur der Abschuss von Schalenwild mit der Jagd gleichgesetzt wird. Manche Gruppierungen sehen das nämlich heute schon so.

Meinen Sie die "Ökologischen"?

Zur Jagd gehört auch die gesetzliche Pflicht zur Hege - das wird von manchen gerne vergessen, insbesondere von denen, die das Wort "Ökologie" wie eine Monstranz vor sich hertragen und dabei eigentlich nur ökonomische, also wirtschaftliche Ziele verfolgen. Ökologie ist aber die Gesamtheit der Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen und ihrer Umwelt.

Wie steht es um das Niederwild?

Der dramatische Rückgang beim Niederwild (Rebhuhn, Hase, Fasan) verpflichtet uns Jäger und Landwirte, jede Möglichkeit zur Lebensraumverbesserung zu nutzen. Die Hilfsprogramme Kulap und Greening bieten viele Möglichkeiten für Hegemaßnahmen und nützen damit auch der Vogelwelt, den Schmetterlingen und Bienen.

Wie soll das ablaufen?

Die Jäger müssen auf die Landwirte zugehen und gemeinsam mit ihnen Lösungen besprechen. Die neuen Wildlebensraumberater und auch der Bayerische Jagdverband helfen dabei gerne.

Stichwort Schalenwild-Situation?

Auch hier mahnt der BJV immer wieder an, dass wir den Ansprüchen des Wildes gerecht werden: Lebensraum, Äsung und vor allem Ruhe sind hier zuerst zu nennen.

Warum gerade die Ruhe?

In unseren Symposien über Rehe, Rotwild und zuletzt die Gams haben alle Wildbiologen übereinstimmend auf die notwendige Winterruhe hingewiesen, die eine Reduktion des Stoffwechsels mit sich bringt. Ebenso einstimmig forderten sie ein Ende der Jagdzeit auf wiederkäuendes Schalenwild zum Jahresschluss. Wenn wir Jäger Anwälte des Wildes sein wollen, müssen wir diese Erkenntnisse ernst nehmen und das auch der Bevölkerung vermitteln. Das richtet sich nicht nur an Jäger, sondern zum Beispiel auch an Schneeschuh-Wanderer durch die Wildeinstände und an Geo-Cacher, die das Wild dort beunruhigen.

Steuert die Jagd auf eine Krise zu?

Gerade in einer Zeit, in der die Jagd in Richtung reine Schalenwildbejagung ausgerichtet werden soll (Beispiel Nordrhein-Westfalen), fordert der Forstausschuss des Bayerischen Städtetages, also einige städtische Forstbeamte, eine Änderung des Bayerischen Jagdgesetzes durch die Hintertür: Treibjagd auf alles Schalenwild bis 31. Januar, Nachtjagd, Schrotschuss auf Rehe und Frischlinge - nicht nur aus Tierschutzgründen undenkbar. Hier müssen wir dagegenhalten.

Wie wollen Sie das machen?

Der BJV hat auch deswegen die Bayerische Akademie für Jagd und Natur gegründet. Hier sollen wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse helfen, die Meinungsführerschaft in Sachen Jagd zu festigen. Wir sind auch im Gespräch mit Vertretern des Tierschutzes und des Landesbundes für Vogelschutz, um gemeinsame Schnittmengen zu erarbeiten - aber auch, um über die Gegensätze zu diskutieren.

Woran arbeitet der BJV noch?

Wir führen zur Zeit einen Musterprozess wegen der Zwangsmitgliedschaft von Revierpächtern in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung. Auch arbeiten wir dagegen, dass über die Jagdabgabe Projekte ohne Zustimmung des BJV finanziert werden. Eine Daueraufgabe bleibt, die Mitglieder zur steten Schießpraxis anzuhalten. Übungsgatter für Hunde mit Schwarzwild halten wir für ebenso wichtig wie genügend bestätigte Nachsuchengespanne.
Weitere Beiträge zu den Themen: Nordrhein-Westfalen (2261)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.