Heimatkundlicher Stammtisch befasst sich mit Maßen und Landwirtschafts-Geräten
Als der Fuß zum Meter wurde

(schß) Mit historischen landwirtschaftlichen Geräten und Ausdrücken beschäftigte sich der letzte heimatkundliche Stammtisch der Gemeinde Ursensollen in der "Waldschänke am Hirschpark in Heinzhof. 25 Gäste waren trotz des widrigen Wetters wieder zu dem beliebten Treffen gekommen.

Heimatpfleger Josef Schmaußer stellte zunächst Bauern- und Wetterregeln um den Monat April vor: "Aprilwetter, Frauenlaunen und Kartenglück, wechseln jeden Augenblick!" Anschließend versuchte er eine Deutung des In-den-April-Schickens. Der Brauch sei in Bayern schon kurz vor dem 30-jährigen Krieg um 1618 belegt. Ein Erklärungsversuch in der Literatur besage, dass der französische König Karl IX. 1564 das bis dato am 1. April gefeierte Neujahrsfest auf den 1. Januar verlegte. Wer dem nicht folgen wollte, galt als "April-Narr".

Der Göpel und die Hex'

Verschiedene Skizzen und Bilder landwirtschaftlicher Geräte sorgten bald für eine lebhafte Diskussion an den Tischen. Begriffe wie "Woachritscherl" (Einspannvorrichtung für Zugtiere), "Göpel", "Triebwerk", "Hex" (ein Gerät, um Getreide und "Gsoot" zu trennen) und die "Windmühl'" (dient dem gleichen Zweck) sind vielen jungen Menschen heute nicht mehr bekannt. Diese "Getreidewurfmaschine" wurde auch "Windfege" oder "Getreideputzmühle" genannt. Das "Worfeln" war eine Winterarbeit.

Ein alter Metzen

Josef Lautenschlager aus Heinzhof hatte einen Metzen, ein altes Hohlmaß für Getreide, und ein Riffeleisen für Flachs mitgebracht. Mit Verordnung vom 28. Februar 1809 wurden die Maße in ganz Bayern auf definierte Größen verbindlich festgelegt. Vorher gab es teilweise regionale Unterschiede. Eine Wirtschaftsreform von Montgelas sollte auch die Maße und Gewichte vereinheitlichen.

Am 29. April 1869 führte Bayern per Gesetz zum Jahreswechsel 1872 das metrische System ein. Der bayerische Fuß wurde hierbei auf 0,291859206 Meter festgelegt.

Die Bezeichnungen und Maße, deren Werte gleichzeitig erstmals in metrischen Einheiten festgelegt wurden, blieben aber weiterhin im Alltagsgebrauch bestehen.

Johannes Ehbauer hat von einem Verwandten einen sehr interessanten Nachlass geerbt. Die gezeigten Sterbe- und Schulbilder müssen zum Teil noch zugeordnet werden. Der Abend half, einige Bilder mit einheimischen Familien in Verbindung zu bringen.
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