Heiße Zeiten für Hopfen

Zu viel Sonne verträgt der Hopfen nicht. Trockenheit wie in diesem Jahr macht der Pflanze zu schaffen. Bild: dpa

Klimawandel vor der Haustür, das sind nicht nur schöne Olivenbäume im Vorgarten und südfranzösische Rebsorten im Rheintal. Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir hierzulande auch die negativen Folgen spüren werden.

Ludwig Locher (38) aus Tettnang muss niemand davon überzeugen, dass der Klimawandel in Deutschland sichtbare Folgen hat. "In den letzten 15 Jahren hatten wir vier Jahre mit Phasen extremer Hitze, 2003, 2006, 2013 und jetzt 2015, das hat es so in früheren Jahrzehnten nicht gegeben", sagt der Landwirt aus der Bodenseeregion. Locher baut Hopfen an. Der Bier-Grundstoff ist ein sehr empfindliches Gewächs, das nicht nur Hitze schlecht verkraftet, sondern auch Starkregen, heftige Stürme und Hagel nicht verträgt.

Kostspielige Bewässerung

Die Sorgen der Hopfen-Bauern sind nur ein Problemfeld, die eine Klimafolgen-Studie identifiziert. Die Fraktion der Grünen im Bundestag hat die Studie "Brennpunkte des Klimawandels in Deutschland" mit Blick Klimagipfel veröffentlicht, der am 30. November in Paris beginnt. Die Teilnehmer der UN-Konferenz sollen eine neue Klimaschutz-Vereinbarung verabschieden. Ein weiterer zentraler Punkt der Studie sind Küstenschutz und andere Maßnahmen, die helfen sollen, mit den Folgen der von Treibhausgasen verursachten globalen Erwärmung zu leben. Für Bauer Locher würde das, wenn er weiter Hopfen anbauen will, bedeuten: kostspielige Bewässerung sowie Umstellung auf robustere Sorten. Das klingt einfacher als es ist. Denn das Grundwasser liegt tief und er ist sich nicht sicher, ob seine Abnehmer andere Hopfen-Sorten akzeptieren.

In der Forstwirtschaft werden vor allem hitzeempfindliche Fichten, Kiefern und Lärchen weichen müssen. Zu den robusteren Nadelbaumarten zählen Tanne und Douglasie. "Hitzewellen, Stürme und Überschwemmungen haben schon in den vergangenen zehn Jahren spürbar zugenommen. Das ist aber nur ein kleiner Vorgeschmack. In den nächsten Jahrzehnten dürften die Wetterextreme in Deutschland noch deutlich schneller aufeinanderfolgen", sagt Bärbel Höhn. Die Grünen-Politikerin ist Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Umwelt- und Naturschutz. Sie plädiert für mehr erneuerbare Energie im Heizungsmarkt und für geringere Verbrauchsobergrenzen bei Neuwagen.

Die Studie zeigt, dass nicht alle in Deutschland in gleichem Maße unter den Folgen des Klimawandels leiden werden. Besonders stark betroffen werden die Landwirte in der Hallertau sein, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt. Hier haben sie in den vergangenen Jahren vermehrt Ernteausfälle durch Hagel verzeichnet. Dagegen kann man sich zwar versichern. Doch auch hier steigen die Prämien, je häufiger der Schadensfall eintritt. Langfristig könnte das einen Anstieg der Bierpreise nach sich ziehen.

Längere Allergiesaison

Menschen in Großstädten werden vor allem unter den steigenden Temperaturen zu leiden haben. Die Autorin der Studie, Stefanie Groll, nennt neben Kreislaufbeschwerden und Dehydrierung auch noch weitere Gesundheitsrisiken. Dazu zählt die Tatsache, dass sich die Pollenflugsaison verlängern wird, was Allergikern stark zu schaffen macht. Zudem kann Erwärmung dazu führen, dass sich Krankheitserreger durch Überträger wie Mücken, Wanzen und Zecken eher verbreiten.
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