Herbe Verluste für Rot-Grün in Bremen

Ob es reicht? Die SPD in Bremen mit Bürgermeister Jens Böhrnsen als Spitzenkandidat ist zwar erneut stärkste Fraktion in der Bürgerschaft. Aber die Partei hat deutlich an Stimmen und Mandaten verloren. Auch der grüne Koalitionspartner fuhr Verluste ein. Bild: dpa

Ohne die SPD geht an der Weser auch nach der Bürgerschaftswahl nichts. Doch für Rot-Grün wird es eng. Denn beide Parteien müssen erheblich Federn lassen. Dagegen triumphiert die FDP. Die AfD muss zittern.

Nach massiven Verlusten beider Parteien bei der Bürgerschaftswahl am Sonntag in Bremen muss die seit acht Jahren regierende rot-grüne Koalition um ihre Mehrheit fürchten. Die SPD von Regierungschef Jens Böhrnsen gewann die Wahl nach ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF zwar klar und kann erneut die Regierung bilden. Sie rutschte aber auf das schlechteste Ergebnis seit 1946 ab. Die Grünen mit Spitzenkandidatin Karoline Linnert verzeichneten nach dem starken Ergebnis 2011 massive Verluste. Nach beiden Hochrechnungen hat die Koalition nur eine Stimme Mehrheit.

Nach den Hochrechnungen von 21.45 Uhr von ARD und ZDF kommt die SPD auf 32,7 bis 33,0 Prozent. Die CDU wird mit 22,4 bis 22,7 Prozent zweitstärkste Kraft, gefolgt von den Grünen mit 14,7 bis 15,3 Prozent. Die Linke holt 9,6 bis 9,9 Prozent. Mit 6,5 bis 6,7 Prozent schafft die FDP deutlich den Einzug in die Bürgerschaft. Die AfD steht mit 5,0 bis 5,2 Prozent auf der Kippe. Dies ergäbe folgende Sitzverteilung: SPD 28 bis 29, CDU 20 bis 21, Grüne 13 bis 14, Linke 8 bis 9, FDP 6, AfD 5. Die rechtspopulistische Gruppierung "Bürger in Wut" (BIW) holte wieder ein Mandat. Aufgrund des komplizierten Wahlmodus soll das vorläufige amtliche Endergebnis am Mittwoch feststehen. Der Landeswahlleiter hat frühere Angaben korrigiert, laut derer das Ergebnis erst am Freitag vorliegen sollte.

Böhrnsen bezeichnete den Absturz seiner Partei auf das schlechteste Ergebnis in der Hansestadt seit 1946 als "in dieser Höhe überraschend" und bitter. Dennoch ergebe sich aus dem Vorsprung gegenüber der CDU ein neuer Regierungsauftrag. Rot-Rot-Grüne sei "keine Option". Die Spitzenkandidatin der Linken, Kristina Vogt, sagte: "Als Mehrheitsbeschaffer stehen wir nicht zur Verfügung." Die Bremer CDU bot umgehend eine Regierungsbeteiligung an. Das klare Signal der Wähler sei, dass es ein "weiter so" nicht geben könne, sagte Spitzenkandidatin Elisabeth Motschmann. Die CDU hatte Bremen von 1995 bis 2007 als Juniorpartner gemeinsam mit der SPD regiert. Von einer "Sensation" sprach die parteilose FDP-Spitzenkandidatin Lencke Steiner. 2011 hatte die SPD 38,6 Prozent erzielt. Unter dem Eindruck der Katastrophe von Fukushima kamen die Grünen damals auf 22,5 Prozent. Die CDU fiel mit 20,4 Prozent auf den dritten Platz zurück. Die Linke kam auf 5,6 Prozent. Die FDP scheiterte mit 2,4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. (Kommentar und Seite 8)
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