Hilflos vor Trümmerhaufen

Bauern im hessischen Felsberg vor einer zerstörten Feldscheune. Das 90 Jahre alte, massive Haus hatte der Sturm einfach zusammengedrückt.

Zerstörte Häuser, faustgroße Hagelkörner, umgeknickte Hochspannungsmasten: Schon wieder haben Unwetter in Deutschland gewütet. Besonders heftig erwischte es einen kleinen Ort in Rheinland-Pfalz.

Unwetter haben die Hitze in Deutschland jäh beendet und Millionenschäden angerichtet. Schlimm traf es den 1600-Einwohner-Ort Framersheim in Rheinland-Pfalz. Möglicherweise war es ein Tornado, der dort am Dienstagabend eine Schneise der Verwüstung zog. "Es sah aus wie nach einem Bombenangriff", schilderte eine Anwohnerin am Mittwoch die Minuten nach dem Unwetter. Der Gewittersturm beschädigte bis zu 100 Häuser, einige Gebäude wurden fast völlig zerstört. Der Schaden wurde am Mittwochmorgen auf rund fünf Millionen Euro beziffert.

Stromausfall in Bayern

Ob ein Tornado oder eine extreme Fallböe in Framersheim gewütet hat, stand am Tag danach noch nicht fest. "Es kann beides gewesen sein", sagte Andreas Friedrich, der Tornado-Experte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Vorerst werde der Sturm in Framersheim als "Verdachtsfall" geführt.

Nachdem bereits am Sonntag in Deutschland Bäume umstürzten und Keller vollliefen, brachten die schweren Gewitter nun zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage Abkühlung mit sich. Neben Framersheim wurden auch in anderen Regionen Tornados als Ursache für heftige Schäden vermutet, etwa in Sachsen-Anhalt. Im Seegebiet Mansfelder Land knickten drei Hochspannungsmasten um - 1800 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Faustgroße Hagelkörner zerstörten nach Polizeiangaben Vor- und Garagendächer, Straßen wurden überflutet.

In vielen Teilen Bayerns fiel in der Nacht zum Mittwoch zeitweise der Strom aus - mindestens 60 000 Haushalte waren betroffen. Auch in der Oberpfalz tobten die Unwetter, richteten der Polizei zufolge aber geringe Schäden an - beim Großteil der rund 30 Einsätze ging es umgestürzte Bäume, die Straßen blockierten. In Regensburg stürzten drei Bäume auf geparkte Fahrzeuge, auf der B 15 bei Schierling traf ein umstürzender Baum ein fahrendes Auto.

Autobahn gesperrt

Störungen im Bahn- und Straßenverkehr gab es etwa in Baden-Württemberg. Auf der vielbefahrenen A 5 bei Heidelberg kam es zu starken Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume, von denen einige weit in die Fahrbahn hineinragten. Die Autobahn wurde mehrfach kurzzeitig gesperrt. Nach Angaben der Polizei gab es in Baden-Württemberg drei Verletzte.

Im niedersächsischen Ferienort Bad Sachsa im Südharz wirbelte ein Sturm auf einer 500 Meter breiten Schneise. Menschen wurden nicht verletzt. Die Feuerwehr schätzt den Sachschaden auf mehrere Hunderttausend Euro. In Hessisch-Lichtenau richtete ein Blitzeinschlag der Polizei zufolge in einem Wohnhaus 150 000 Euro Schaden an. Ebenso hoch war der Schaden im niedersächsischen Harsum, wo ein Feuer den Dachstuhl eines Hauses zerstörte. Verletzt wurde niemand: Die Familie war im Urlaub.

Auch in Tschechien und Polen wüteten Unwetter. Ein Mann kam im Südwesten Polens ums Leben, als ein Baum auf sein Auto stürzte, teilte der Rettungsdienst am Mittwoch mit. Die Feuerwehr musste in der Region fast 500 Mal ausrücken, um umgestürzte Bäume zu entfernen und vollgelaufene Keller auszupumpen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.