Hintergrund

Landgerichtssprecher Markus Fillinger hofft inständig, dass der aktuelle Prozess nicht zum "Generalverdacht" gegen alle Berufsbetreuer im Bezirk führt. "Das ist der erste und einzige Fall, der so abgelaufen ist", versichert der Richter. Es sei für die Kollegen "nicht vorherzusehen" gewesen, dass sich eine Betreuerin, die jahrelang ordnungsgemäß gearbeitet habe, plötzlich selbst bediene. Bisher waren angebliche Unregelmäßigkeiten meist auf innerfamiliäre Streitigkeiten zurückzuführen - "und auch das ist äußerst selten".

Im Amtsgericht Weiden wurde der Betrugsverdacht gegen die Berufsbetreuerin als "Katastrophe" empfunden, als "Schlag ins Gesicht" ehrlich Bemühter. Im Amtsgerichtsbezirk gibt es etwa 2000 Betreute, Tendenz steigend. Dabei handelt es sich um kranke oder ältere Menschen, denen ein Betreuer zur Seite gestellt wird. Er kümmert sich um ihre Alltagsgeschäfte: Behördengänge, Vermögen, Gesundheitsfürsorge, Post. Vertrauen ist da nötig. Ein Berufsbetreuer, der am Dienstag als Zeuge aussagte, war beinahe verzweifelt, welches Misstrauen ihm plötzlich entgegenschlägt. "Dabei dokumentiere ich jeden Cent."

Eine Kontrolle erfolgt einmal pro Jahr durch eine Rechnungslegung am Amtsgericht. Recht viel länger hat das "Auffliegen" der 51-jährigen Angeklagten auch nicht gedauert. Der Hinweis kam im April 2014 von einem Erben, der sich wunderte, wie wenig Geld noch da war. Angeklagt sind jetzt Fälle zurückliegend bis März 2012. (ca)
Weitere Beiträge zu den Themen: Themen des Tages (14863)Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.