Hitze und Trockenheit machen Züchtern zu schaffen [Aktualisierung]
Teichwirte sorgen sich um Karpfenbestände

Das heiße und trockene Wetter bedroht die Karpfenbestände, auch in der Region. (Bild: dpa)
Schwandorf. (dpa) Bayerische Teichwirte sorgen sich wegen der extremen Trockenheit um ihre Karpfenbestände, einige Betriebe bangen kurz vor Beginn der neuen Karpfensaison sogar um ihre Existenz. «Je nachdem ob es in den kommenden Wochen weiterhin so heiß und trocken bleibt oder doch noch länger anhaltender Regen kommt, bekommen wir entweder eine katastrophale Saison oder kommen mit überschaubaren Ertragsausfällen davon», sagte Heiner Sindel von der Interessengemeinschaft «Mittelfränkischer Regionalkarpfen» am Donnerstag im Vorfeld einer Pressekonferenz in Dinkelsbühl.

Angespannt ist die Lage auch bei den Karpfenzüchtern in der Oberpfalz: «Wenn es weiterhin so heiß bleibt und nicht regnet, wird es zu einem Fischsterben kommen, weil Teiche austrocknen», sagte Marco Mulzer vom Zusammenschluss «Karpfenland Mittlere Oberpfalz» in Schwandorf. Für kleinere Betriebe stehe dann die Existenz auf dem Spiel. Der 29 Jahre alte Direktvermarkter rechnet allein bei seinen eigenen Teichen mit einem Ertragsausfall von bis zu zehn Tonnen Karpfen, sollte es keinen Wetterumschwung geben.

Wie Mulzer und Sindel übereinstimmend berichteten, sei der Wasserspiegel vor allem in Himmelsweihern, die keinen Wasserzulauf haben, mittlerweile stark gesunken und der Sauerstoffgehalt sehr gering. Aber auch in Teichen mit Zuflüssen komme kaum mehr frisches Wasser an, weil zahlreiche Bäche ausgetrocknet seien, sagte Mulzer.

Teichwirte verzichten auf Zufütterung

Die Karpfensaison beginnt traditionell im September. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Statistik von den bayerischen Teichwirten gut 2000 Tonnen Karpfen erzeugt. Knapp 84 Prozent davon stammten aus Mittelfranken und der Oberpfalz.

Mulzer und Sindel glauben nicht, dass die Menge in diesem Jahr wieder erreicht werden kann. Die Monate Juli und August sind für die Qualität und Größe der Karpfen entscheidend, weil die Züchter den Fischen dann zusätzlich zur natürlichen Nahrung Futter ins Wasser geben.

Wie Mulzer erklärte, sei genau das heuer aber kaum möglich: «Karpfen verbrauchen beim Fressen sehr viel Sauerstoff, der aber in den Teichen momentan rar ist.» In Franken verzichten deshalb laut Sindel derzeit so gut wie alle Teichwirte auf die Zufütterung, um den Sauerstoffgehalt nicht weiter zu reduzieren.

Leichte Beute für Vögel

Über die niedrigen Wasserstände in den Fischteichen freuen sich unterdessen Graureiher und Kormoran. «Die Vögel können im Wasser stehen und machen ganz leicht Beute», sagte Mulzer. Dadurch werde der Fischbestand zusätzlich reduziert. Nach seiner Einschätzung müssen die Verbraucher in der kommenden Saison mit höheren Preisen beim Karpfen rechnen. «Wenn das Angebot sinkt, steigt der Preis.»

Sein fränkischer Kollege hofft unterdessen auf eine breite Regenfront: «Eine alte Fischerweisheit sagt: Große Güsse, gute Fische. Was wir jetzt schnell brauchen, ist viel Regen», meinte Sindel.
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