Hochzeit nach dem ersten Blick

Das Brautpaar Bea (32) und Tim (31) aus Nordrhein-Westfalen in der ersten Ausgabe der Sat.1-Show "Hochzeit auf den ersten Blick". Bild: Christoph Kassette/Sat.1/dpa

Vor Kurzem lernten sich Singles nackt bei RTL kennen. Jetzt wird auf Sat1 beim ersten Treffen geheiratet. Das deutsche Fernsehen überschlägt sich mit Kuppelshows. Kritik kommt aus den Kirchen.

Die neue Sat1-Sendung "Hochzeit auf den ersten Blick" zeigte, wie sich die 32-jährige Bea Bäcker und der 31-jährige Tim Kirschbaum das Jawort gaben, ohne sich je zuvor über den Weg gelaufen zu sein. "Ja, ich will", sagten beide vor dem Standesbeamten - und den Kameras.

"Die Ehe ist definitiv kein Spaß für eine kurze Fernsehunterhaltung, bei der zwei Menschen sich auf Medienexperten verlassen, ohne zu wissen, ob sie sich im wahrsten Sinne des Wortes überhaupt riechen können", sagt Margot Käßmann, die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche. Die Zeit des Verkuppelns sei vorbei, so Käßmann.

Das Blatt zitierte auch den Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp: "Die Ehe soll nicht allein aus einer spontanen und flüchtigen Emotion heraus eingegangen werden." In der ersten Ausgabe von "Hochzeit auf den ersten Blick" suchten Experten mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden Tim und Bea füreinander aus. Zum Team gehörten die Psychotherapeutin Sandra Köhldörfer, der Heilpraktiker Uwe Linke als Wohnungsanalyst, die Paartherapeutin Ingrid Strobel sowie ein Pastor.

Wenn die Ehe vor den Kameras geschlossen wird, sei sie rechtsgültig, unterstrich ein Sat1-Sprecher vorab. Wer sich etwa gleich nach den Flitterwochen gegen die Ehe entschließe, müsse sich scheiden lassen wie andere Paare auch und ebenso die Konsequenzen tragen.

Hochzeit unter Fremden

Sat1 hatte auch das Meinungsforschungsinstitut Forsa bemüht: "94 Prozent der Befragten glauben an die Liebe auf den zweiten Blick." 1502 Frauen und Männer zwischen 18 und 69 waren befragt worden. Zwar meinten 98 Prozent, es sei für sie undenkbar, ihren Ehepartner erst auf dem Standesamt kennenzulernen, aber jeder Vierte dachte, dass das Experiment gelingen könnte.

Der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Marcus Weinberg, sagte dazu: "Ich halte davon nichts und hoffe, dass diese Sendung bald wieder vom Markt verschwindet." Die Ehe solle aus gegenseitiger Zuneigung entstehen, sie sei Keimzelle der Gesellschaft.
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