Hoeneß bald wieder frei?

Uli Hoeneß (mit Frau Susanne) ist derzeit Freigänger. Bild: dpa

Ein Jahr Haft hat Uli Hoeneß hinter sich. Nach den ersten Monaten gab es Ende 2014 den ersten Urlaub. Kurz darauf wurde der Promi-Häftling Freigänger. Womöglich ist er in neun Monaten ganz in Freiheit.

Den 2. Juni 2014 wird Uli Hoeneß nie vergessen. Es ist der wohl schwärzeste Tag in seinem Leben. Mit wenig Habseligkeiten trat der einst mächtigste deutsche Fußball-Manager im Gefängnis von Landsberg am Lech seine Haft an. Zuvor hatte ihn das Landgericht München wegen Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro Steuern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Nur zum Schlafen

Am kommenden Dienstag jährt sich der Haftantritt des mittlerweile 63-Jährigen. Uli Hoeneß kann indessen nach vorne blicken. Seit fünf Monaten ist er Freigänger, muss nur noch zum Schlafen hinter Gitter. Tagsüber arbeitet er in der Jugendabteilung seines Clubs, des FC Bayern München. Und wenn alles nach Plan läuft, wird Hoeneß Anfang März 2016 vorzeitig aus der Haft entlassen. Es gibt kein Foto vom Steuersünder in Anstaltskleidung, nur Bilder vom Freigänger Hoeneß. Darauf ist ein deutlich schlankerer Mann zu erkennen, der nachdenklich dreinschaut. Längst wieder lässt sich Hoeneß auch bei den Profikickern blicken, zuletzt von Fotografen festgehalten am 11. Mai beim Abschlusstraining vor dem Champions-League-Rückspiel gegen den FC Barcelona.

Viele wüssten zu gerne, wie Hoeneß über die magere Saisonbilanz denkt, aber es gibt keine öffentliche Äußerung. Dafür reden andere. "Wir haben gesprochen über Fußball, Fußball, Fußball", berichtete Trainer Pep Guardiola Anfang des Jahres. "Er ist hier, und das ist gut. Manchmal sehen wir uns." Und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge glaubte über seinen Freund zu wissen, "dass er seinen Frieden gefunden hat".

Die ersten Monate im Gefängnis dürften die härtesten gewesen sein. Zwar machten allerlei Spekulationen über eine Vorzugsbehandlung des Promi-Häftlings die Runde. Hoeneß sei nicht in einer der normalen acht Quadratmeter großen Einzelzellen untergebracht, hieß es, sondern wohne deutlich komfortabler auf der Krankenstation. Auch beim Essen genieße Hoeneß Privilegien, wurde gemunkelt. Das Justizministerium in München und seine Anwälte schweigen dazu eisern. Stets wurde auf die Persönlichkeitsrechte verwiesen.

Der Jahreswechsel markierte die Wende zum Besseren für Hoeneß. An Weihnachten 2014 und an Silvester wurde ihm Hafturlaub genehmigt. Hoeneß verbrachte die Feste bei der Familie am Tegernsee. Am 2. Januar wurde er Freigänger und begann seinen Job bei den Bayern. Damit verbunden war die Verlegung in die Außenstelle Rothenfeld des Landsberger Gefängnisses unweit des Starnberger Sees. "Das tut ihm gut", sagte sein Bruder, Dieter Hoeneß, schränkte aber ein: "Es werden noch viele, harte Monate sein, bis wieder ein normaler Zustand erreicht ist."

So sind Auslandsreisen für den 63-Jährigen vorerst tabu, der Freigängerstatus unterliegt strengen Auflagen. Andererseits darf Hoeneß darauf hoffen, dass die Hälfte seiner Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Voraussetzungen dafür dürfte er erfüllen, weil er zum ersten Mal im Gefängnis sitzt und sich dort bisher wohl nichts zuschulden kommen ließ.

Aus 42 Monaten werden 21

Bei 42 Monaten Haft sind die Hälfte 21 Monate. Hoeneß ging am 2. Juni 2014 ins Gefängnis. Demnach wäre sein Entlassungstermin Anfang März 2016. Bis dahin steht ihm weiterer Urlaub zu. Zu den 21 Tagen Jahresurlaub kommen laut bayerischem Strafvollzugsgesetz bei Freigängern in den letzten neun Monaten vor der Entlassung zusätzlich bis zu sechs Tage Urlaub im Monat dazu. Regelmäßige "freie" Wochenenden daheim sind demnach zu erwarten.
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