Hoffen auf weitere Wunder

Nepalesische Soldaten tragen Leichen von Erdbebenopfern durch die Straßen von Kathmandu. Die Chance, weitere Überlebende zu finden, schwindet mit jedem Tag. Bild: dpa

Mehr als eine Woche nach der Erdbebenkatastrophe in Nepal gelten noch immer viele Menschen als vermisst, darunter 112 Ausländer. In der Touristenregion Langtang wurden bis Montag nach einem Erdrutsch Dutzende Leichen geborgen.

Unter diesen 52 Toten waren sieben Ausländer. Nur zwei von ihnen konnten zunächst identifiziert werden: ein Franzose und ein Inder. "Es kann gut sein, dass dort mehr als 200 Menschen verschüttet wurden, darunter viele Ausländer", sagte der Distriktbeamte Gautam Rimal. In dem Gebiet werden auch zwei 20-Jährige aus Lehrte bei Hannover vermisst. Das Bundeskriminalamt (BKA) schickt zehn Identifizierungsexperten nach Nepal.

Bisher 7200 Todesopfer

Mehrere Deutsche, die nach der Katastrophe in unwegsamem Gelände festsaßen, wurden am Montag mit einem Hubschrauber ausgeflogen. Das teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin mit. Zur genauen Zahl der Betroffenen sowie zum Ort machte er keine Angaben. Die Zahl der Deutschen, die noch vermisst werden, liegt demnach im niedrigen zweistelligen Bereich. "Wir können leider nicht ausschließen, dass sich die Zahl der deutschen Todesopfer in den nächsten Tagen noch erhöhen wird", sagte der Sprecher.

Bei dem Erdbeben der Stärke 7,8 am 25. April kamen mehr als 7200 Menschen ums Leben. Die Zahl dürfte weiter steigen, sagen die Behörden, weil noch nicht alle Regionen erreicht wurden. Zehntausende Menschen wurden verletzt.

Ausländische Suchspezialisten würden nicht mehr gebraucht, sagte unterdessen der Sprecher des nepalesischen Innenministeriums, Laxmi Dhakal: "Wir können das nun allein schaffen." Nach seinen Angaben waren gut 4000 Helfer aus 34 Ländern im Einsatz. Am Sonntag waren noch vier Menschen lebend gefunden worden, unter ihnen ein wohl über 100 Jahre alter Mann.

Es fehlen Hubschrauber

Die Behörden bräuchten dringend mehr Hubschrauber, sagte Dhakal. Zelte und Nahrungsmittel können vielerorts nur aus der Luft abgeworfen werden, weil keine Landeplätze zur Verfügung stehen. Die nepalesischen Behörden haben nur 13 Hubschrauber. Indien helfe dem Nachbarland mit 14 Hubschraubern aus, sagte Dhakal, die USA hätten vier Flugzeuge geschickt, die vertikal starten und landen können, China schickte drei Hubschrauber. "Aber das reicht noch nicht. Wir brauchen mindestens doppelt oder dreimal so viele, wie wir bislang haben", sagte der Sprecher. Aus Sorge um die Stabilität der Landebahn dürfen auf dem einzigen internationalen Flughafen in der Hauptstadt Kathmandu keine größeren Maschinen mehr landen.

Die Europäische Kommission erhöhte die finanzielle Unterstützung für Nepal von 3 auf 22,6 Millionen Euro. Das kündigte EU-Kommissar Christos Stylianides nach einem Besuch im Krisengebiet an. Einschließlich der Gelder einzelner Mitgliedstaaten habe die EU bereits rund 40 Millionen Euro mobilisiert.
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