Horste im geplanten Windpark Pamsendorf bewohnen Mäusebussard und Habicht statt Schwarzstorch
Landratsamt hebt Rodungsstopp auf

Der Baumsteiger fotografierte die beiden Horste und sicherte das dürftige Material. Bild: Völkl
Pfreimd-Pamsendorf. (cv) Zur Klärung der Frage, ob es sich bei den aufgefundenen zwei Horsten um Behausungen des Schwarzstorchs handelt, wurde vom Landratsamt die Stellungnahme des Diplombiologen Dr. Helmut Schlumprecht angefordert, die am Dienstag vorgelegt wurde. Demnach seien die beiden Horste mit 50 mal 40 Zentimetern und 100 mal 50 Zentimeter für einen Schwarzstorch zu klein und zu schmal. Typische Schwarzstorchhorste würden 120 mal 100 Zentimeter umfassen. Zudem fehlten die bei Schwarzstorchhorsten typisch verbauten dicken Äste.

Es handle sich bei den beiden Horsten vermutlich um die eines Mäusebussards und eines Habichts. Das vom Landratsamt eingeschaltete Referat Arten- und Lebensraumschutz beim Bayerischen Landesamt für Umwelt hat diese Einschätzung Dr. Schlumprechts anhand des Berichts und der zuvor übersandten Fotos geteilt. Das am Montag von Baumsteiger Sebastian Lehmer aufgefundene und vom Landratsamt sichergestellte Federmaterial wurde zwischenzeitlich von der Vogelschutzwarte des LfU in Garmisch-Partenkirchen untersucht, erläutert Pressesprecher Franz Pfeffer.

Von der Vogelschutzwarte

Das gestern beim Landratsamt eingegangene Ergebnis bestätigte die fachliche Einschätzung: "Bei einer Feder handelt es sich um eine Handschwinge eines Singvogels in der Größe eines Rotkehlchens. Wahrscheinlich die Feder einer Mönchsgrasmücke. Bei der etwas größeren und vor allem stärkeren Feder handelt es sich höchst wahrscheinlich um die Steuerfeder eines Jungvogels im Blutkiel. Diese und die Singvogelfeder erhärten den Verdacht, dass es sich bei dem Nestfund um ein Habichtsnest handelt". Die beiden Horstbäume "wurden und werden auch nicht gefällt, da sie außerhalb der benötigten Flächen für die Windkraftanlagen stehen", so Pfeffer. Nach Mitteilung der höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung der Oberpfalz würde es sich bei der Errichtung der Windkraftanlagen und den damit in Zusammenhang stehenden Arbeiten um einen zulässigen Eingriff in Natur und Landschaft handeln. Die ökologische Funktion der von dem Vorhaben betroffenen Fortpflanzungs- oder Ruhestätten von Mäusebussard und Habicht würde im räumlichen Zusammenhang weiterhin erfüllt: "Deshalb bedürfen die Arbeiten auch keiner gesonderten Ausnahmegenehmigung nach dem Bundesnaturschutzgesetz."

Damit sieht das Landratsamt die vom Bayerischen Jagdverband erhobenen Vorwürfe, wonach die artenschutzfachliche Prüfung der unteren Naturschutzbehörde im Genehmigungsverfahren unzureichend gewesen sei, widerlegt. Diese Ansicht unterstreicht auch das Verwaltungsgericht Regensburg, das einen vom BJV beantragten Erlass einer Zwischenverfügung mit Beschluss vom 3. Februar erneut abgelehnt hat. Nach der Entscheidung des Landratsamtes kann der Investor die Rodungsarbeiten nun fortsetzen. Dr. Christian Deglmann rechnet damit, dass sie bis Mitte nächster Woche dauern.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/windpark-pamsendorf
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