Hygiene-Skandal: Klinik reagiert

Eine Fliege am OP-Besteck, unqualifizierte Reinigungsleute: Die Affäre um Hygienemängel an der Uniklinik Mannheim hat personelle Folgen. Doch damit ist die Krise noch nicht ausgestanden.

Der Hygieneskandal um schmutziges OP-Besteck an der Mannheimer Uniklinik hat Konsequenzen. Der Klinikchef trat wegen der Affäre zurück. Der Aufsichtsrat wies jede Mitverantwortung von sich, kündigte aber Veränderungen an. Am Mittwoch hatten Staatsanwälte das Krankenhaus durchsucht und Unterlagen mitgenommen.

"Um verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen, konzentrieren wir uns darauf, die Mängel schnellstmöglich zu beseitigen", erklärte Aufsichtsratschef und Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) am Donnerstag. Die Klinik mit 4700 Mitarbeitern hatte wegen der Affäre ihr OP-Programm bereits seit knapp zwei Wochen von 60 Operationen am Tag auf 20 drastisch heruntergefahren.

Kurz sagte, es komme vor allem darauf an, die Sicherheit in der Hygiene zu gewährleisten und die Anzahl der Operationen wieder auf das bisherige Niveau zu bringen. Das Klinikum werde eine Kommission auch mit externen Fachleuten zur Aufarbeitung der Fehler einsetzen.

Fehlendes Vertrauen

Geschäftsführer Alfred Dänzer (66) reichte in einer Krisensitzung des Aufsichtsrats seinen Rücktritt ein. Grund sei die "teils fehlenden Vertrauensbasis im Haus", sagte Kurz. Dänzer, der seit 2009 Klinikchef war, ist auch Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Dort läuft seine Legislatur regulär zum Jahresende aus. Ob Dänzer erneut antritt, war zunächst unklar.

Der Stein kam durch eine anonyme Anzeige ins Rollen, in der von schmutzigem OP-Besteck die Rede war. Das Regierungspräsidium Karlsruhe stellte dann Hygienemängel fest: Reinigungsmaschinen waren zu lange nicht überprüft worden, Nachweise über die Qualifikation von Reinigungsleuten fehlten. Laut Klinikum ist die Zahl der Verdachtsfälle auf Infektionen mit vier bis sechs pro Jahr konstant niedrig.

Kurz kündigte organisatorische Veränderungen an: Die Leitung der sogenannten Zentralen Sterilgutversorgung soll künftig direkt bei der Geschäftsführung angesiedelt sein. Laut Klinikum werden Reinigungsleute nachgeschult. Gleichzeitig wird heftig gestritten, ob die Ursachen für die Mängel in Sparzwängen liegen. Die Fakultätsleitung hatte in einem offenen Brief den Kostendruck angeprangert. Die Klinik weist das zurück.

Schon früher Beschwerden

Krankenhaus-Mitarbeiter sollen bereits seit längerem in einem internen, anonymen Beschwerde-System auf Probleme hingewiesen haben. Vor allem bei der Sterilisation sind laut Medien seit mehr als zwei Jahren Defizite vermerkt - selbst von einer Fliege im OP-Besteck war dort die Rede. Diese Beschwerden wurden nicht ordnungsgemäß bearbeitet.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht im Skandal die Folgen des Konkurrenzdrucks zwischen Krankenhäusern. Auch der Rücktritt des Klinikchefs Dänzer werde am System nichts ändern. Krankenhäuser würden nicht durch Qualität verdienen, sondern wenn sie ökonomisch arbeiten. Es sei am Aufsichtsrat, hier gegenzusteuern.
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