"Ich verpasse meinen Flug"

Die Kontrollen dauern oft nur wenige Augenblicke. Mit geschultem Blick winken Polizisten an der A 8 bei Bad Reichenhall Fahrzeuge heraus und schauen sich die Insassen an. Natürlich wollen sie auch die Ausweise sehen. Die Wiedereinführung der Grenzkontrollen greift.

Es ist an sich ein munteres Völkchen, das am Montagvormittag im Omnibus Richtung Münchener Flughafen sitzt. Doch als mehrere Bundespolizisten an der Anschlussstelle Bad Reichenhall der Autobahn Salzburg-München (A 8) gleich hinter der Grenze zusteigen, ist erst einmal Schluss mit lustig.

"Ich verpasse wahrscheinlich meinen Flug", sagt Tanja Fahrnberger aus Österreich. Die 21-Jährige fliegt für einen zweiwöchigen Urlaub nach Bali und muss nun auf dem Weg zum Airport eine Zwangspause einlegen. Die Beamten wollen alle Ausweise sehen. Seit Sonntagabend führt Deutschland wieder Grenzkontrollen durch. Schon einige Kilometer vor dem Kontrollpunkt wird der Verkehr auf eine Spur verengt. Es gibt kilometerlange Staus auf der A 8.

Dadurch hat auch Tanja Fahrnberger wertvolle Zeit verloren. "Hoffentlich geht es schnell", sagt sie noch, und dann sind die Polizisten auch schon fertig mit der Passkontrolle. Der Busfahrer hatte seine Gäste bereits im Stau gebeten, die Ausweise parat zu halten. Auch Thomas Fuchsluger will nur eines: möglichst rasch zum Flughafen kommen, damit er seinen Flieger vielleicht doch noch erwischt. "Normalerweise habe ich schon Verständnis für Grenzkontrollen", sagt der 21-Jährige, "nur heute nicht."

Nicht jedes Fahrzeug

Die Bundespolizei winkt längst nicht alle Fahrzeuge an dem Kontrollpunkt heraus. "Grenzpolizeiliche Erfahrung", meint ein Beamter nur zur Auswahl der Fahrzeuge, die es trifft. "Wir kontrollieren nicht jedes Fahrzeug", erläutert Polizeisprecher Matthias Knott, "das geschieht örtlich und zeitlich flexibel." So verzichtete die Polizei beispielsweise am Montag zunächst auf Kontrollen an der Inntalautobahn (A 93) bei Kiefersfelden.

Mit ihrem geübten Blick haben es die Polizisten vor allem auf Schleuser abgesehen und winken hauptsächlich Lieferwagen und Kleinbusse mit Kennzeichen aus Balkanländern heraus. Die Kontrollen laufen unaufgeregt ab. Ein mit sieben Insassen besetzter Minibus aus Rumänien wird von einem Beamten mit der Kelle zum Halten aufgefordert, die Männer zeigen bereitwillig ihre Ausweise her und kommen ohne Murren auch der Aufforderung nach, eine Zudecke auf einem der hinteren Sitze hochzu- heben. Alles scheint in Ordnung zu sein, der Wagen darf weiterfahren.

Seit Sonntagabend hat die Polizei nach den Angaben von Knott mehrere Schleuser an der A8 geschnappt. Die Fahrer werden dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der über einen Haftbefehl entscheidet. Die Flüchtlinge - Knott spricht von einer niedrigen zweistelligen Zahl - kamen zur Registrierung in eine Erstaufnahmeeinrichtung. Der Polizeisprecher wertet die Schleuseraufgriffe als Erfolg der wiedereingeführten Grenzkontrollen. "Bis auf weiteres müssen Reisende mit Kontrollen vor allem an der deutsch-österreichischen Grenze rechnen", meint Knott daher auch.

Taschenlampen leuchten

Am Montagvormittag bleibt ein weiterer Aufgriff an der Kontrollstelle bei Bad Reichenhall zunächst aus. Der Fahrer eines polnischen Lieferwagens muss die Plane über der Ladefläche öffnen. Mit der Taschenlampe leuchten die Beamten das Innere aus - und finden nichts Verdächtiges. Der Mann darf weiterfahren. Das gilt auch für einen Omnibus aus Montenegro. Vier Polizisten haben sämtliche Ausweise der mehreren Dutzend Insassen in weniger als fünf Minuten kontrolliert - alle Papiere sind gültig.
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