Igel sind keine Haustiere und brauchen Winterschlaf
"Man kann den Igel auch tot lieben"

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Igel
Hilpoltstein. Noch sind nicht alle bayerischen Igel im Winterschlaf. Gerade aufgrund der zuletzt milden Tagestemperaturen sind immer noch viele Tiere unterwegs. Die Wildtiere fressen sich weiter fleißig den nötigen Speck für den baldigen Winterschlaf an. Doch einige Igelliebhaber, die in den vergangenen Wochen kleine Tiere gefunden haben, denken, sie müssten diese aufnehmen und durch den Winter füttern. Das zeigt das Projekt „Igel in Bayern“ des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). „Doch das ist falsch verstandene Tierliebe, die den Igeln nur schadet“, erklärt die LBV-Expertin Martina Gehret. Nur in bestimmten Ausnahmefällen müssen Igel dauerhaft gefüttert und im Haus überwintert werden. „Der Igel ist ein Wildtier und darf nicht als Haustier gehalten werden“, so Gehret weiter.


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Der Igel ist Bestandteil des Lebensraums Garten, „doch man kann den Igel auch tot lieben“, so die Erfahrung, die Martina Gehret die letzten Wochen gesammelt hat. Im Rahmen seines erfolgreichen Pilotprojekts „Igel in Bayern“ hat der LBV das Engagement der Menschen für den Igel sehr zu schätzen gelernt. „Doch einige Igelliebhaber sperren scheinbar hilfsbedürftige Igel ein und zeigen auf diese Weise ein falsches Naturverständnis“, so die LBV-Biologin. Ein Wildtier wie ein Haustier zu halten ist jedoch illegal. „Es darf nicht sein, dass der Igel so von seinem Lebensraum abgekoppelt wird.“

Die wichtigste Hilfe für den Igel ist, seinen Lebensraum zu verbessern. Wie das LBV-Projekt zeigt, kommt er in Bayern vor allem im Siedlungsraum vor. „Dort ist die beste Unterstützung nun mal ein naturnaher Garten“, erklärt Martina Gehret. „Aus Sicht des Naturschutzes ist es der falsche Weg, Igel wie Haustiere zu behandeln.“ Doch in vielen Gärten wird Laub weggeräumt und das Unkraut mit Gift bekämpft, was dem Igel die natürliche Lebensgrundlage auf Dauer entzieht.



„Während des ersten Projektjahres ist uns erst richtig bewusst geworden, wie schwer es der Igel tatsächlich hat“, sagt Gehret. Dies bezieht sich aber nicht nur auf die Lebensraumzerschneidung, den Lebensraumverlust aufgrund falscher Gartengestaltung, oder die steigende Parasitenbelastung. „Der Igel wird als kleines, sympathisches und nicht allzu flinkes Wildtier oft Opfer von falsch verstandener Tierliebe“, beklagt die LBV-Expertin. Dabei ist der Igel ein absoluter Überlebenskünstler, der in seiner jetzigen Form bereits seit 15 Millionen Jahren existiert.

„Das grundlose Einsammeln von Igeln und das anschließende Wegsperren in Kellern oder die Überwinterung ohne Winterschlaf in der eigenen Badewanne hat nichts mit Naturschutz zu tun und ist auch weit entfernt von richtigem Tierschutz“, so Gehret. Wer sich entschließt, ein wirklich hilfsbedürftiges Tier zu pflegen, muss sich vorher über dessen Bedürfnisse und Biologie informieren. „Leider herrscht in den Köpfen vieler Igelfinder jedoch immer noch die falsche Meinung, dass Milch oder ein Apfel eine gute Ernährungsgrundlage wären.“ Der LBV befürwortet das Zufüttern von Igeln nur als vorübergehende Maßnahme und nur sofern dies im Garten und ausschließlich in der nahrungsarmen Zeit stattfindet.