Im NSU-Prozess sprechen einige vom Urteil noch in diesem Jahr - Bundesanwaltschaft und ...
Ende des Mammutprozesses in Sicht

Seit bald 22 Monaten zieht sich der NSU-Prozess in München jetzt hin. Seitdem ist das Gericht an bisher fast 190 Verhandlungstagen zusammengetreten, um Hintergründe der Serie der zehn rassistisch motivierten Morde, zwei Sprengstoffanschläge, 15 Banküberfälle und die Strukturen der Unterstützerszene zu beleuchten. Langsam lässt sich abschätzen, wie lange der Mammutprozess noch dauert.

Große Teile abgearbeitet

Mehrere Nebenkläger glauben sogar schon, dass die Urteile im Herbst fallen könnten. Zu ihnen gehört der Berliner Rechtsanwalt Sebastian Scharmer. Er verweist darauf, dass große Teile der Anklage inzwischen abgearbeitet seien. Ausstehend seien noch die Banküberfälle. Die Mordserie und die Sprengstoffanschläge seien überwiegend geklärt.

Andere Beteiligte sind weniger optimistisch. Aus Kreisen der Bundesanwaltschaft ist zu hören, der Prozess könne durchaus noch bis zum Frühjahr 2016 dauern. Die meisten Verbrechen des NSU seien zwar aufgeklärt, aber die schiere Menge der Beweismittel erfordere noch viel Zeit. Verwiesen wird etwa auf die Computerfestplatten der Angeklagten.

Viele Beweismittel könnten zeitsparend im "Selbstleseverfahren" eingeführt werden, prophezeit Anwalt Scharmer. "Im Sommer gibt es sicher wieder Lesestunde" - wie schon im Sommer 2014.

Die Anwälte von Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben dagegen deuteten an, dass sie sich auf weitere Beweisanträge vorbereiten. Außerdem könnte es weitere Aussagen von Angeklagten geben: Die Verteidiger von Holger G., der dem NSU nach eigenem Eingeständnis eine Waffe brachte und Papiere beschaffte, hatten angekündigt, ihr Mandant könne noch mehr Wissen preisgeben.

Offene Fragen

Außerdem gibt es auch bei den Mordtaten noch offene Fragen. Etwa zu dem Anschlag auf den Kasseler Besitzer eines Internetcafés zu einem Zeitpunkt, zu dem - angeblich zufällig - ein Beamter des Verfassungsschutzes vor Ort war. Als rätselhaft gilt nach wie vor der Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn. Unklar ist, ob sie von den Terroristen bewusst ausgewählt wurde oder ob der Anschlag einen beliebigen Polizisten treffen sollte.

Dass das Gericht den Prozess abschließen möchte, schließen Beteiligte auch daraus, dass im September erneut der Jugendgerichtshelfer von Carsten S. geladen werden soll. Er soll befinden, ob für den Mitangeklagten das Jugendstrafrecht angewandt werden sollte. Ein solches Votum wird in der Regel erst kurz vor Schluss eines Prozesses abgegeben.
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