Im Tod spendet Tugce Leben

In Berlin versammelten sich am Sonntag Demonstranten zum Gedenken an die in Offenbach verstorbene Tugce A. Die Studentin war durch Prügel schwerverletzt worden, als sie einen Streit schlichten wollte. Bild: dpa

Die Studentin Tugce A. fiel nach einer Prügelattacke ins Koma. Zwei Wochen später ist ihr Leben zu Ende. Doch ihr Tod bedeutet für andere Menschen Hoffnung auf ein Weiterleben.

Tugce A. ist tot. Die lebenserhaltenden Geräte sind abgeschaltet. Und doch wird die Studentin weiterleben: in den Herzen der Menschen, die ihre Zivicourage bewundern. Und in den Menschen, denen sie ihre Organe spendet. Mindestens drei Kranke können auf Rettung hoffen.

Organe entnommen

Am späten Freitagabend kamen Transplantationsteams aus dem In- und Ausland in die Offenbacher Klinik, um die Organe zu entnehmen. So hatte es Tugce selbst gewünscht: Sie besaß einen Spenderausweis, ihre Eltern respektierten den Willen ihrer Tochter. "Eine solche Entscheidung nötigt mir die höchste Anerkennung ab", sagte ein Mediziner aus Offenbach. Die Familie ist in tiefer Trauer. "Tugce wird uns allen fehlen, wir werden ihr warmes Lächeln schmerzhaft vermissen", sagte ihr Vater der "Bild am Sonntag". Das Leben gehe weiter, nur wie, das sei eine andere Frage.

Bevor die Geräte abgeschaltet wurden in dem Krankenhaus, in das die Studentin nach der Prügelattacke mit schwersten Schädel-Hirn-Verletzungen gebracht worden war, verabschiedeten sich rund 1500 Menschen mit einer Mahnwache vor der Klinik von Tugce. Sie ist an diesem Tag 23 Jahre alt geworden. Die junge Frau bezahlte mit ihrem Leben, wohl weil sie anderen helfen wollte. Zwei Mädchen soll Tugce zur Seite gesprungen sein, als diese in einem Fast-Food-Restaurant in Offenbach belästigt wurden. Ein 18-Jähriger schlug später vor dem Lokal Tugce, die stürzte und mit schwersten Verletzungen ins Koma fiel.

Die Ermittler in Offenbach setzen jetzt auf das Obduktionsergebnis und hoffen auf weitere Zeugen der tödlichen Prügelattacke. Die Leiche der jungen Frau wurde in das Institut für Rechtsmedizin in Frankfurt gebracht und soll dort am Montag untersucht werden, wie ein Sprecher der Polizei am Sonntag sagte.

Gauck prüft Orden

Die Ermittler erhoffen sich Aufschlüsse über die genaue Todesursache. Bisher ist unklar, ob die Studentin durch den Schlag am frühen Morgen des 15. November tödlich verletzt wurde oder durch den Aufprall auf das Pflaster des Parkplatzes. Bundespräsident Joachim Gauck will prüfen lassen, ob Tugce einen Verdienstorden bekommen soll. In einem Beileidsschreiben an die Familie betonte er, die junge Frau habe "unser aller Dankbarkeit und Respekt verdient".
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