Immer mehr Attacken auf Asylbewerber

Ein Fall von vielen: Anfang des Jahres wurde das Asylbewerberheim in Grabau (Schleswig-Holstein) geräumt, nachdem dort Nebelkerzen gezündet worden waren. Wegen der starken Rauchentwicklung mussten fünf der sieben Bewohner evakuiert werden. Archivbild: dpa

Deutsche Asylbewerberheime werden jetzt, wo die Zahl der Flüchtlinge steigt, immer öfter Ziel rassistisch motivierter Attacken. Experten vermuten auch einen Zusammenhang mit Pegida und rechtsextremen Kundgebungen.

Die Zahl rassistischer Angriffe auf deutsche Asylbewerberheime steigt dramatisch an. Wie der "Tagesspiegel" am Dienstag zuerst berichtete, zählten die Behörden im letzten Quartal des vergangenen Jahres bundesweit 67 rechtsextrem motivierte Straftaten. Das ist mehr als im gesamten Jahr zuvor. Die Attacken richteten sich gegen Unterkünfte oder ihre Bewohner - sie reichten von Hakenkreuz-Schmierereien bis zu Angriffen mit Waffen oder Brandsätzen.

Zuletzt hatten Unbekannte am Montag in Escheburg (Schleswig-Holstein) eine gerade erst hergerichtete Unterkunft in Brand gesetzt, in der irakische Asylbewerber untergebracht werden sollten. An die Adresse der Täter sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD): "Wir werden euch jagen, wir werden euch kriegen, wir werden euch verurteilen. Ihr macht uns keine Angst."

Migranten-Initiativen und Konfliktforscher sehen nicht nur einen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Gewalt und Hetze und den steigenden Flüchtlingszahlen. Sie vermuten auch, dass die Kundgebungen der Dresdner Pegida-Bewegung und ihrer lokalen Ableger in anderen Städten den Nährboden für einige dieser Delikte bereitet haben.

In Berlin, Bayern und in Sachsen, wo die Pegida-Bewegung Ende 2014 großen Zulauf hatte, lag die Zahl der strafrechtlich relevanten Aktionen gegen Asylbewerberheime im vierten Quartal 2014 besonders hoch. 11 Angriffe zählte die Polizei in Bayern, 15 in Sachsen. Einen unrühmlichen Spitzenplatz in der Statistik nimmt Berlin ein. In der Hauptstadt kam es in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres zu 20 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte.

Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht, gab es 2014 insgesamt mehr als 150 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte - dreimal so viele Angriffe wie im Jahr 2013. Verletzt wurden dabei laut Innenministerium neun Menschen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erklärte angesichts der Zunahme der Übergriffe: "Gewalt werden wir nicht dulden. Solche Taten sind feige und abscheulich." (Seite 8)
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