Immer weniger Russen lernen Deutsch

Über die etwa 90 Millionen Muttersprachler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hinaus gibt es allein in der EU etwa 60 Millionen, die Deutsch können. Aber auch in Asien, Lateinamerika und in Afrika gehen die Zahlen gerade wieder nach oben. Bild: dpa

Alle fünf Jahre gibt es eine Studie, wie es weltweit mit der deutschen Sprache steht. Neuester Trend: Deutsch ist wieder im Kommen. In Russland allerdings geht es steil bergab. Warum?

Es gibt sie noch, die ausländischen Staatsmänner, die richtig gut Deutsch sprechen. Der rumänische Präsident Klaus Iohannis gehört dazu, der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu, vor allem aber Wladimir Putin. Russlands Präsident hat Deutsch in der Schule gelernt, war für den sowjetischen Geheimdienst KGB in Dresden und lange Zeit auch noch mit einer Deutschlehrerin verheiratet. Wie gut er die Sprache beherrscht, zeigt der Kremlchef bis heute gern.

Deutsch im Kommen

Ausgerechnet Putins Russland ist nun jedoch das Land, in dem die Zahl der Deutschschüler so dramatisch zurückgeht wie nirgendwo sonst auf der Welt. Nach einer neuen Studie des Auswärtigen Amts, die am Dienstag veröffentlicht wurde, sind in dem 143-Millionen-Einwohner-Staat derzeit gerade noch 1,5 Millionen mit Deutschlernen beschäftigt. Vor fünf Jahren waren es noch fast 800 000 mehr. Für die Experten ist ein solcher Rückgang enorm - zumal Deutsch als Fremdsprache ansonsten eher wieder im Kommen ist.

Zumindest wurde der Abwärtstrend nach einigen Jahren wieder gestoppt: Weltweit befinden sich derzeit etwa 15,4 Millionen Menschen an Schulen, Universitäten oder in Goethe-Instituten im Deutsch-Unterricht - etwa eine halbe Million mehr als 2010. Zur Jahrtausendwende lag die Zahl noch bei 20 Millionen.

Warum Russland sich anders entwickelt, hat mehrere Gründe. Zum einen gingen im flächenmäßig größten Land der Welt die Geburtenzahlen zurück. Dann wurden in der Provinz viele Schulen und Universitäten zusammengelegt, so dass es weniger Fremdsprachenangebote gibt. Bei der ersten Fremdsprache entscheiden sich auch die Russen - anders als zu DDR-Zeiten - mittlerweile in den meisten Fällen für Englisch.

Die Fachleute sind der Meinung, dass sich die Spannungen zwischen Deutschland und Russland infolge des Ukraine-Konflikts bislang auf das Interesse am Deutsch-Unterricht überhaupt nicht oder kaum auswirken. Der Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, meint: "Das hat mit der politischen Situation nichts zu tun. Oder allenfalls nur sehr minimal."

Stimmung verschlechtert

Manche vermuten aber, dass sich die Verschlechterung der Beziehungen mit etwas Verzögerung durchaus negativ bemerkbar machen wird. Im Staatsfernsehen wird seit der Annexion der Krim auch gegen Deutschland Stimmung gemacht. Das dürfte die Bereitschaft, sich mit deutscher Grammatik zu befassen, nicht fördern. In den meisten anderen Ex-Sowjetrepubliken sieht es ähnlich aus. Auch in der Ukraine ging die Zahl der Deutschschüler zurück, um mehr als 50 000, auf noch 715 000.

Dabei hatte es nach dem Fall der Mauer große Hoffnungen gegeben, dass Deutsch in Osteuropa wieder wichtiger wird. Eines der Länder, wo sich dies erfüllt hat, ist Polen. Dort sind etwa 2,3 Millionen Menschen im Deutsch-Unterricht - mehr als irgendwo anders auf der Welt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.