Imperium wieder auf dem Thron

Eine mechanische Weinlesemaschine bei der Arbeit während der Weinlese in einem Weinberg in der Nähe von Vic la Gardiole, Südfrankreich. Bild: dpa

Auch in den Weinbergen gehen magere Jahre vorbei. Frankreich ist wieder Wein-Weltmeister, die Produktion weltweit konsolidiert sich nach der Krisenzeit. Immer mehr fallen dabei die Exporte ins Gewicht.

) Nach ein paar mageren Jahren können die französischen Winzer wieder zufrieden mit dem Ertrag ihrer Arbeit in den Weinbergen sein. Zu viel Regen und zu kühle Temperaturen hatten dem Weinimperium länger zugesetzt und es von dem Thron gestürzt.

Doch 2014 halten die Weinbauern aus dem Burgund, dem Bordelais und von der Rhône mit ihrer Produktion selbst die ärgsten Konkurrenten klar auf Distanz. Während es weltweit nur ein mittleres Weinjahr zu werden verspricht, hat sich der Konsum von Wein nach dem Einbruch durch die Wirtschaftskrise vor sechs Jahren weiter konsolidiert. Sind die schlechten Zeiten vorbei? Denn auch wenn manches für eine rosige Zukunft des Weins spricht und vor allem die französischen Winzer erleichtert sind, so bleiben doch Fragezeichen.

Die Sorgenkinder

Es gibt neben den Aufsteigern wie dem kleinen, aber feinen Weinland Neuseeland auch Sorgenkinder. Bulgarien und Kroatien gehören dazu, auch das zuvor von einer Erfolgsgeschichte sehr verwöhnte Weinland Chile. Letztlich hat der weltweite Konsum auch noch lange nicht wieder die jährlichen 250 Millionen Hektoliter aus der Vor-Krisen-Zeit erreicht.

Trotz des positiven Trends für Frankreich nicht nur in der Produktion scheint eines sicher: Die Zeiten kommen nicht wieder, in denen der Franzose jährlich durchschnittlich nahezu 100 Liter Wein getrunken hat. Das war 1975 so, und das ist lange her. Dennoch müssen sich die Franzosen eigentlich nicht grämen, wenn sie heute mit immer noch bemerkenswerten 44,2 Litern Wein pro Person und Jahr weltweit "nur" an zweiter Stelle liegen.

Denn zum einen ist es allein der Vatikanstaat, der sie weiterhin überflügelt, wie Bonial, spezialisiert auf Marketing und Warenvergleiche, auf seiner Webseite festhält. Der kleinste Staat der Welt kommt danach auf beachtliche 73,8 Liter, nimmt aber "außer Konkurrenz" teil, so der Vergleich. Der Grund liegt in speziellen Gegebenheiten hinter den Vatikan-Mauern: Dort leben überwiegend ältere Männer, die steuergünstig einkaufen.

Das alles kratzt jedoch die Winzer im Beaujolais, im Loire-Tal oder im Elsass wenig. Sie sind erleichtert, denn ihre Erwartungen an die Produktionen werden wieder mehr erfüllt. Die Fässer drohten schon bald leer in den Kellern zu stehen, die Reserven aufgebraucht zu sein. Optimistisch ist der Verwalter der Domaine Hospices de Beaune im Burgund, Roland Masse: "Trotz der chaotischen Wetterbedingungen müsste der Jahrgang ein gutes Qualitätsniveau haben", sagte er der Zeitung "Le Monde".

Der jeweilige heimische Markt verliert dabei in der globalisierten Welt sowieso ein wenig an Bedeutung. Der exportierte Wein macht nun 40 Prozent aus - vor einem Jahrzehnt war es lediglich ein Viertel des weltweiten Konsums. Diese 40 Prozent - zwei von fünf entkorkten und geleerten Flaschen - häufen ein Handels-Importvolumen von immerhin 25 Milliarden Euro an. "Das entspricht 400 Airbus-Flugzeugen A320", so rechnete OIV-Generaldirektor Jean-Marie Aurand unlängst stolz vor.

Der chinesische Markt

Die Zukunft der Ware Wein scheint also garantiert - zumal der riesige chinesische Markt (wie auch für etliche andere Importprodukte) zunimmt und noch einigen Zuwachs verspricht. Und davon könnten dann auch deutsche Winzer profitieren, die in diesem Jahr die Rekordmenge von fast zehn Millionen Hektoliter Wein eingefahren haben. So hielten sie völlig ungefährdet ihren zehnten Rang in der Wein-Top-Ten-Liste.
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