In Grafenwöhr regt sich der Widerstand
Fluglärm nervt

Symbolbild: dpa
Grafenwöhr. (myd) Wird das jetzt zum Dauerzustand in Grafenwöhr? Die Überflüge von Militärjets und die Einsätze von Hubschraubern nerven die Bevölkerung in Grafenwöhr und den anderen Gemeinden am Rande des Truppenübungsplatzes immer mehr. Widerstand regt sich.

"Grafenwöhr? - da warte ich schon zwei Wochen drauf!", antwortete ein Mitarbeiter am Bürgertelefon des Luftwaffenamtes auf die Anfrage einer Grafenwöhrerin. "Bereits seit zwei Wochen ziehen die Kampfjets ihre Runden über Grafenwöhr und die Beschwerdelage ist gleich null."

Vor kurzem fand in Grafenwöhr die dritte Auflage der Übung "Combined Resolve" statt (wir berichteten). Zusätzlich zu dem erhöhten Schießlärm waren Kampfjets im Einsatz, die fast täglich ihre runden drehten. Als nach Abschluss der angekündigten Frist der Fluglärm kein Ende nahm, hakte eine Grafenwöhrerin nach. Die Frau befürchtet, dass der Fluglärm noch weiter zunehmen könnte. Weil sie mit Anfeindungen rechnet, will sie, dass ihr Name ungenannt bleibt.

Beim Bürgertelefon des Luftwaffenamtes in Köln, bekam sie nach eigenem Bekunden eine überraschend offene Antwort. Der Ansprechpartner am anderen Ende der Leitung zeigte für ihre Beschwerde vollstes Verständnis. Ihn wundere es schon lange, dass aus Grafenwöhr und Umgebung keine Klagen kämen.

Der Mann erklärte: "Ich kann auf meinem Monitor genau sehen, dass die Jets über Grafenwöhr und dem Luftraum des Truppenübungsplatzes enge Kreise ziehen. Danach fliegen sie zu ihrem Ausgangsort Spangdahlem zurück." Er machte deutlich, dass am Ende des Jahres die Anrufe ausgewertet werden. In Ansbach wehrte sich ein breites Bündnis aus Politik und Bürgern. Deshalb sei der militärische Flugverkehr dort anscheinend reduziert worden.

Auch im rheinland-pfälzischen Spangdahlem, dem US-Stützpunkt, von dem aus die Jets starten, hat sich Widerstand formiert. Auf der Internetseite der Bürgerinitiative ist zu lesen, dass diese nun auf eine Verlegung nach Grafenwöhr hofft, wie dem hämischen Kommentar unschwer zu entnehmen ist:

"Wir hoffen natürlich, dass es kein Zufall ist. Wenn man in Bayern meint, so ein Truppenübungsplatz und das Militär überhaupt sei die tollste Erfindung seit geschnittenem Brot, dann dürfen sie gern die damit verbundene Lärmbelästigung genießen."

Bei der Stadt Grafenwöhr gingen bereits im Sommer und auch in den letzten Wochen einige Nachfragen und Beschwerden wegen des Fluglärms ein. Bürgermeister Edgar Knobloch ist dabei zu klären, wo es bei der US-Armee verlässliche Auskünfte zu den Vorhaben der Streitkräfte bezüglich des Flugverkehrs über dem Truppenübungsplatz gibt.

Bei der Pressestelle der Bundes-Luftwaffe mit Sitz in Berlin hieß es bereits: Fehlanzeige: Auf Anfrage des Neuen Tags konnte der Sprecher nur bedingt Auskunft geben, da die Bundeswehr auf die Vorhaben der amerikanischen Streitkräfte keinen Einfluss habe. Auf die Frage, ob man mit einigem Vorlauf abschätzen könne, an welchen Tagen und zu welchen Zeiten über Grafenwöhr geflogen wird, antwortete er:"Das können und dürfen wir nicht tun, da wir damit einer möglichen Spionage Vorschub leisten würden."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.