In Vohenstrauß gibt es Schülerlotsen in Hülle und Fülle
Leuchtende Beispiele

Morgendlicher Hochbetrieb in Vohenstrauß (Kreis Neustadt/WN). Die Kreuzung Friedrichstraße/Waidhauser Straße ist ein neuralgischer Punkt auf dem Schulweg vieler Buben und Mädchen. Bild: räd
Vohenstrauß. (räd) Ganz Bayern steht ohne Schulweghelfer da? So weit ist es noch nicht. Denn eine ehemalige Kreisstadt stellt sich gegen den Trend. Hier gibt es Schülerlotsen in Hülle und Fülle.

7.23 Uhr. Vohenstrauß, Kreuzung Friedrichstraße/Wernberger Straße. Dämmerung, feucht-nasse Kälte. Fahrzeuge stehen Stoßstange an Stoßstange: Busse, Autos, Lieferwagen, Transporter. Ein ganz normaler Werktag. Am "Stachus von Vohenstrauß" herrscht dichter Verkehr - laut Verkehrszählung passieren rund 10 000 Fahrzeuge täglich diesen Knoten, in den sechs Straßen münden. Die Ruhepole im hektischen Gewühl von Fahrzeugen, Fußgängern und Schülern sind Schulweghelfer, die hier an der Fußgängerampel zuverlässig ihren Dienst verrichten.

Helfer feiern gemeinsam

Eine von ihnen ist Barbara Riedl. Obwohl ihre Kinder schon längst dem Schulalter entwachsen sind, stellt sich sie jeden Morgen in einer neongelben Warnweste an die Straße. "Mir war das ein Herzensanliegen", sagt sie. Natürlich seien Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit notwendig. Allerdings sei sie auch nicht jeden Tag dran. Nur etwa einmal pro Monat werde sie zum Dienst eingeteilt. "Weil wir so viele sind." Die Koordination übernimmt Petra Kraus. SMS, Whats-App-Nachrichten und Facebook-Gruppen helfen ihr dabei, den Kontakt zu den 19 ehrenamtlichen Helfern zu halten. Seit dem Schuljahr 2007/2008 gehört Kraus zum harten Kern der Schulweghelfer, nun entwirft sie auch die Dienstpläne. Der Zusammenhalt ist groß. "Man hilft sich aus, wenn mal jemand ausfällt", betont Riedl.

Sehr zufrieden sind auch Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und die Polizei. Die Hauptroute der Schüler aus dem Osten der Stadt zu den Schulen im Westen führt über den Überweg. "Für uns ist sehr wichtig, dass dieser gesichert ist", betont Wutzlhofer, der auch Vorsitzender des Vereins "Polizei und Bürger" ist. Dieser unterstützt den Schulweghelfer ebenfalls. Das Helferessen tragen Verein und Stadt gemeinsam. "Ein kleines Dankeschön", unterstreicht Wutzlhofer. Denn die Helfer arbeiten ehrenamtlich. Für Kraus und ihre Mitstreiterinnen eine Selbstverständlichkeit: "Man braucht nicht für alles eine Entschädigung, was man macht."

Dabei war der Start zäh, wie sich Wutzlhofer erinnert. Als die Kommune erstmals plante, Schülerlotsenfurten zu errichten, war die Resonanz verhalten. Doch die Vohenstraußer gaben nicht nach. Als die Staatsstraße durch die Innenstadt abgestuft wurde und die Kommune in eigener Zuständigkeit eine Ampel errichtete, wagte sie erneut einen Anlauf. Mit Erfolg. Multiplikatoren zu haben und den Einstieg zu schaffen - für Wutzlhofer entscheidend. "Wenn man zwei oder drei Leute erwischt, die auch privat miteinander können, dann kann das klappen", sagt er. Und, so Verkehrserzieher Bernhard Dobmayer von der Polizei: "Man braucht Personen, die vorangehen." Heute kann Vohenstrauß als Musterbeispiel gelten: "Wir haben keine Probleme, den Bedarf zu decken", freut sich Kraus. Viele Eltern bleiben auch dabei, wenn ihre Kinder nicht mehr in Vohenstrauß in die Schule gehen. Von den 19 Helfern besteht diese Gruppe aus etwa 6 bis 7 Personen. Nicht wenige finden Gefallen an der Tätigkeit. Warum? "Das Helfer-Gen", freut sich Wutzlhofer.

Es macht Spaß

Macht es wirklich Spaß, morgens bei jedem Wetter draußen zu stehen? "Sonst würden wir es nicht machen!", entfährt es Kraus. Der Ton der Antwort lässt keinen Zweifel zu - diese Frage stellt sich für sie nicht. Als "Dienst von unschätzbarem Wert" stuft Erster Polizeihauptkommissar Martin Zehent die Arbeit der Helfer ein. Dass an der Ampel noch kein Unfall passiert ist, sei ein Verdienst der Verkehrshelfer, lobt Dobmayer. Brenzliche Situationen gibt es immer wieder: Wegen der verwinkelten Straßenführung und des dichten Verkehrs übersehen immer wieder Fahrer das Rotlicht. Lastwagenfahrer tun sich schwer in der engen Kurve, geraten mit den Rädern auf den Gehweg. Nicht zuletzt müssen Busse weit in die andere Fahrspur ausholen, wenn sie abbiegen wollen. Gut, wenn Erwachsene aufpassen, dass Schüler nicht zu nah am Bordstein stehen.

Kurz vor acht Uhr ist die Rush-hour vorbei. Nicht nur für die Schulweghelfer in Vohenstrauß, auch für die in Moosbach, Eslarn, Waidhaus - und Pleystein. Der frühere Bürgermister Hans Walbrunn sorgt in seiner Gemeinde ebenfalls für die Sicherheit der Schüler, erzählt Dobmayer. Auch ein personifiziertes Beispiel, das in neongelber Warnweste an der Straße die Schüler lotst.
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