Industriemuseum vermittelt authentische Einblicke - Hammerwerk, Frisörsalon, Ventilfabrik
Juwel in Sachen Technikgeschichte

Die Wasserkraft optimal genutzt: Schon früh erkannten die Menschen in Lauf die Möglichkeiten, die ihnen die Pegnitz bot. Sie teilten den Fluss an dieser Stelle in drei Arme auf und gewannen so die Energie für Hammerwerke und Mühlen. Hier entstand die Keimzelle des heutigen Industriemuseums. Bild: Lobenhofer
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Deutschland und die Welt
09.09.2011
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Geschichte zum Anfassen erleben Besucher des Industriemuseums in Lauf - von der Nutzung der Wasserkraft mit Eisenhammerwerk und Getreidemühle, über ein Hut- und Schirmgeschäft, einen Frisörsalon, eine Drogerie, eine Schuster- und eine Flaschnerwerkstatt bis zur kompletten Produktionsstätte des einstigen Automobilzulieferers Dietz & Pfriem. Der Industriebetrieb am Ufer der Pegnitz stellte Ventile für Automotoren her. Er war der Stadt vom letzten Besitzer für museale Zwecke überlassen worden.

"Das war ein Glücksfall", urteilt Museumsleiterin Dr. Renate Kubli heute. Denn: "Hier haben zur richtigen Zeit die richtigen Leute an der richtigen Stelle alles richtig gemacht." Gemeint ist die Erweiterung der 1992 eingeweihten "Keimzelle" (Hammerwerk und Mühle) um die genannte Fabrik samt der ehemaligen Wohn- und Sozialräume von Besitzern und Arbeitern. Die 15 Gebäude mit ihren originalen Einrichtungs- und Ausstattungsbeständen stellen auf einer Gesamtfläche von 6000 Quadratmetern ein technisches Kulturdenkmal ersten Ranges in Bayern dar.

Die Mühlen-Mäuse-Bande

"Zum Anfassen" versteht man dort im Wortsinn. Die Einrichtung leistet sich gar eine eigene Museumspädagogin, die komplette Angebote für Kinder und Jugendliche vom Kindergartenalter bis hin zu Gymnasiasten parat hat - vom kleinen Gespenst in der Ventilkegelfabrik über die Mühlen-Mäuse-Bande bis zum Leben der Arbeiter an den Maschinen und in Werkswohnungen.

Auch Handwerk vertreten

Der eigentliche Reiz liegt darin, dass die Stationen nicht durch künstliche Nachbauten entstanden sind. So ist die Entwicklung der Hochindustrie bis in die jüngste Neuzeit hinein am Originalschauplatz erhalten.
Vorführungen, wie etwa das Schmieden mit dem Fallhammer, lassen den Besucher die Arbeitsbedingungen früherer Zeiten sinnlich erfahren. Nicht minder authentisch sind die Handwerksabteilungen, die aus Beständen aufgelassener Firmen entstanden.

Doch nicht nur die einstige Arbeitswelt wird in Lauf dargestellt, sondern auch das Leben der Menschen in der Vergangenheit - von den beengten Wohnverhältnissen in Küche und Schlafzimmer in der Zeit um 1900, über den Kinderwagen mit Radabdeckung und Frontstoßstange aus den Fünfzigern, bis zum Bohnerwerkzeug der Sechziger, Musikschrank und Fernsehapparat, der mehr als ein komplettes Monatsgehalt gekostet hat.
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