Interview mit Comic-Künstler Michel Kichka
«Helden der Gedankenfreiheit»

Michel Kichka. Bild: dpa

Der blutige Anschlag auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» löst weltweit Entsetzen aus. Der in Belgien geborene israelische Comic-Künstler Michel Kichka glaubt, die Ermordeten seien nicht zu ersetzen. Die Zukunft des Magazins sieht er daher pessimistisch.

Jerusalem. (dpa) Der belgisch-israelische Karikaturist Michel Kichka hat einige der ermordeten Zeichner von «Charlie Hebdo» persönlich gekannt. Der 60-Jährige sieht den Anschlag als «prägenden Moment» für Frankreich, wie er der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag sagte.

Wie wird sich der tödliche Anschlag in Paris auf die Welt der politischen Satire auswirken?

Michel Kichka: Es ist der 11. September der Gedankenfreiheit. Es ist ein Versuch, Menschen mundtot zu machen, die einfach nur ihre Meinung ausdrücken wollten. Dies ist ein prägender Moment für Frankreich. Die Franzosen verstehen jetzt, dass dies eine neue Dimension ist: Der radikale Islam gegen die westliche Welt.

Sie kannten einige der Zeichner von «Charlie Hebdo» persönlich?

Michel Kichka: Ich kannte Tignous, Cabu und Wolinski gut. Sie waren positive, menschenfreundliche Leute, die gerne provokative Karikaturen gezeichnet haben. Das war ihr Job, das konnten sie gut, und sie haben niemandem etwas Böses getan.

Waren sie besonders mutig? Haben sie vielleicht rückblickend eine zu große Gefahr auf sich genommen?


Michel Kichka: Im Nachhinein kann man sie durchaus als Helden der Gedankenfreiheit sehen. Sie waren mutig, weil sie keine Angst hatten, unter ständiger Bedrohung zu arbeiten. Es besteht keine Verbindung zwischen dem, was sie gezeichnet haben, und was jetzt passiert ist. Das sind nur Ausreden. Wenn man jetzt mit dem Vergrößerungsglas die Karikaturen anschaut, dann rechtfertigt man letztlich nur das, was die Mörder getan haben.

Wird «Charlie Hebdo» sich von diesem schweren Schlag erholen?

Michel Kichka: Ein großer Teil der Redaktionsmitglieder ist ermordet worden. Ich weiß nicht, ob die Überlebenden es schaffen werden, das alleine wieder auf die Beine zu stellen. Es ist wie bei der besten Fußballmannschaft der Welt: Wenn Messi und Ronaldo nicht mehr dabei sind, ist es nicht mehr dasselbe Team.