Interview: Pfarrer Kurz aus Königstein erzählt über "Weihnachten bei Pfarrers"
Da geht's richtig rund

Wenn über die Weihnachtsfeiertage bei vielen vielleicht doch noch so etwas wie die staade Zeit einkehrt, ist das bei manchen Berufsgruppen wahrlich nicht der Fall. Bei Geistlichen beispielsweise. Pfarrer Kurz aus Königstein gibt uns einen Einblick.

Wie wird denn im Pfarrhaus Weihnachten gefeiert.

Festtage wie Weihnachten, aber auch Ostern, sind für die Pfarrer - vor allem, wenn sie eine Familie haben - eine besondere Herausforderung. Da, wo andere frei haben und alle Viere von sich strecken, geht's bei uns Pfarrern richtig rund. Da sind wir in der Pflicht, Gottesdienste zu gestalten. Das ist manchmal richtiger Stress.

Wie kommen Sie mit dem Stress klar?

Ich versuche, den Stress möglichst gering zu halten. Mein Rezept ist: frühzeitige Planung. Ich arbeite so ähnlich wie ein Koch. Wenn die Gäste hungrig ins Lokal kommen, muss das Essen schon fertig sein, sonst wird er in seiner Küche verrückt. Sprich: die Predigten für alle Weihnachtsfeiertage liegen fix und fertig da und jeder Mitwirkende hat einen Ablauf für jeden Gottesdienst.

Die vielen Gottesdienste durchzuführen, ist Stress genug für die Feiertage. Da darf man nicht zwischendrin auch noch vorbereiten müssen. Die Hauptarbeit wird also vorher getan.

Der weihnachtliche Haupttag ist der Heilige Abend. Wie läuft denn dieser Tag bei einem Pfarrer mit Familie ab?

Ich bin seit geraumer Zeit in den Schuldienst gewechselt, da ist es etwas leichter an den Feiertagen, weil ich jetzt keinen Gemeindedienst mehr habe und die Weihnachtsgottesdienste nicht mehr zu meinen Pflichtaufgaben zählen.

Aber an so einem Tag wie am Heiligen Abend wird jeder Pfarrer gebraucht. Heuer helfe ich beispielsweise in der Kirchengemeinde Edelsfeld aus, die vakant ist. Um 14.30 Uhr geht's auf zum ersten Familiengottesdienst nach Edelsfeld und von dort nahtlos weiter nach Kürmreuth zum zweiten Familiengottesdienst. Mein Vorteil: Ich habe sicher einen Platz in der Kirche.

Viele Kollegen müssen dann nachts um 22 Uhr nochmal ran. Bei mir ist es um 18 Uhr geschafft. Es geht nach Hause, Füße mindestens eine Viertelstunde an den Kaminofen zum Aufwärmen halten, Essen, gemeinsames Singen eines Weihnachtsliedes und dann die Bescherung und ein bisschen Familienfeier. Manchmal lese ich noch eine schöne Weihnachtsgeschichte vor.

Im Pfarramt bin ich dann oft noch nachts ausgerückt, um jemandem beizustehen, der Suizidgedanken hatte, denn die Einsamkeit tut an so einem Tag besonders weh.

War das auch ein Grund, warum Sie in den Schuldienst gewechselt sind?

Nun, ja. Pfarrer im Schuldienst zu sein, ist schon ein bisschen leichter und vor allem familienfreundlicher. In der Schule haben wir ja auch Adventsandachten. Aber die finden alle vorher statt. Sie sind zwar ein ziemlicher Vorbereitungsaufwand, weil viele Schüler dabei mitwirken, aber wenn dann die Feiertage kommen, ist man schon fertig. Sofern man nicht in der Gemeinde aushelfen muss.

Sehen Sie eine besondere Herausforderung in den weihnachtlichen Gottesdiensten?

Die Weihnachtsgottesdienste bieten alljährlich eine einmalige Chance. Es kommen Menschen in die Kirche, die man nur an Weihnachten sieht. Einer meiner Kollegen hat einmal in der Begrüßung am Heiligen Abend gesagt: "Ich begrüße die Gemeinde und alle U-Boot-Christen (...), die nur einmal im Jahr auftauchen!"

Das war natürlich ein ziemlich gewagter Satz und es ist fraglich, ob diese U-Boot-Christen nächstes Jahr überhaupt wieder bei ihm aufgetaucht sind.

Obwohl er ja Recht hat, finde ich, sollten wir die kirchenfernen Christen nicht so vor den Kopf stoßen, sondern es als große Chance sehen, eben auch einmal gerade diese erreichen zu können. Und was an diesem Tag predige, muss die Heiligabend- Gemeinde mitreißen, so dass sie sich sagen: Ich könnte eigentlich öfter mal in die Kirche gehen. Kirche muss an diesem Tag besonders werben.

Haben Sie schon Ideen, was Sie dieses Jahr an Weihnachten predigen?

Heuer sehe ich einen Schwerpunkt auf der Asylproblematik. Ich habe eigens ein Lied dazu geschrieben, das ich in den Familiengottesdiensten uraufführen möchte.

Wie? Sie schreiben selbst Lieder?

Ja. Ich bin Hobbymusiker und an Weihnachten besonders kreativ. Für meine Schüler bin ich immer auf der Suche nach neuen Liedern - und neue, poppige Weihnachtslieder sind schwer zu finden. Da habe ich mich vor einiger Zeit selbst hingesetzt und inzwischen schon fünf Lieder mit der Thematik "Weihnachten" geschrieben. Mein neuestes Lied heißt "Stell dir vor" und behandelt mit Blick auf Syrien auf funkige Weise die Asylproblematik und die Frage, inwieweit Frieden nicht eine Grundvoraussetzung für alle Religionen ist.

Das verspricht ja ein interessanter Gottesdienst zu werden. Kann man Ihre Lieder irgendwo anhören?

Da bietet das Internet tolle Möglichkeiten. Sie sind auf Youtube unter meinem Pseudonym "MrWillPastor" zu finden.

Da bleibt mir nur noch, Ihnen frohe und auch erholsame Festtage zu wünschen und möglichst viele U-Boot-Christen.
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