Interview zur Polizeiarbeit in Sulzbach-Rosenberg
Schwerer Dienst am Limit

Dienststellenleiter Klaus Erras: "Wir arbeiten hart an der Grenze der Belastbarkeit."
 
Durchwühlte Schränke, offenen Geldkassetten: Nach einem Einbruch stoßen die Ermittler meist auf eine Szenerie wie diese. Bild: Gebhardt
Sulzbach-Rosenberg. (ge) Das Blaulicht zeigt es: Unfall, Einbruch, Polizeieinsatz - die Sulzbach-Rosenberger Beamten sind rund um die Uhr zur Sicherheit der Bürger unterwegs. Schaffen sie das auch personell? Dienststellenleiter Erster Polizeihauptkommissar Klaus Erras meint: Ja. Aber nicht mehr lange.

Einige Schwerpunkte nahm sich der Leiter der Polizeiinspektion im Gespräch mit der Redaktion vor: die Personalsituation und die polizeilichen Aufgaben vor Ort. Für 2015 ist er zuversichtlich - wenn auch mit großer Vorsicht.

Redaktion: Herr Erras, es gab Berichte in den Medien, dass es eventuell zu einer personellen Aufstockung bei der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg kommen könnte. Was könne Sie uns darüber sagen?

Erras: Die personelle Situation der bayerischen Polizei ist überall sehr angespannt, auch das Präsidium in Regensburg ist von der Verteilungsnot betroffen. Die meisten Inspektionen kämpfen mit den gleichen Problemen. Wir in Sulzbach-Rosenberg haben derzeit eine Soll-Stärke von 35 Beamten und arbeiten hart an der Grenze der Belastbarkeit. Auch mir wurde signalisiert, dass eventuell eine zusätzliche Planstelle draufkommen könnte. Allerdings ist das Ganze noch nicht spruchreif. Würde diese Sollstelle uns zugeteilt, wäre dies nur eine theoretische Verstärkung. Sie müsste erst mit einem Beamten besetzt werden.

Wie sieht denn die aktuelle Situation aus?

Nun, wir haben ein relativ hohes Durchschnittsalter in der Dienststelle. Aber auch die vielen Kollegen, die in den nächsten Jahren mit 60 Jahren plus x Monaten) in Pension gehen, hängen sich noch voll rein. Keine Spur von Auslaufphase. Auch dank der relativ geringen Krankheitsquote kommen wir gerade so über die Runden. Aber die Aufgaben werden nicht weniger.

Was meinen Sie damit speziell?

Wir haben in letzter Zeit zum Beispiel immer mehr Arbeit durch die Flüchtlingsproblematik. Da stehen beispielsweise mitten in der Nacht plötzlich fünf hilflose Menschen, die hier gestrandet sind, irgendwo im Stadtgebiet. Sie sind hungrig, frieren, besitzen nichts mehr. In ihrer Not rufen sie die Polizei, dann kommen wir und kümmern uns erst einmal um sie.

Gibt's dafür eine eigene Abteilung?

"Abteilung" ginge ja gar nicht. Ein einzelner Beamter, der natürlich noch seine eigentlichen Aufgaben hat, ist speziell mit der Problematik befasst. Er besitzt die nötigen Kontakte zu anderen Behörden, wertvolle Kenntnisse und hat dementsprechend viel zu tun. Alleine in unserem Dienstbereich sind 43 Flüchtlingswohnungen.

Gibt es irgendwelche Tendenzen bei uns in Richtung Fremdenfeindlichkeit

Glücklicherweise nicht, die Bevölkerung ist den echten Kriegsflüchtlingen gegenüber sehr hilfsbereit eingestellt. Das sollte auch so bleiben.

Zur alltäglichen Polizeiarbeit: Wie sieht die Sicherheitslage aus?

Sie ist weiterhin gut. Die Veränderung der Sperrzeit in der Innenstadt (die Gaststätten können seit Sommer alle bis 5 Uhr offen halten, Anm. d. Red.) hat bisher zu keinen negativen Auswirkungen geführt. Es gab keine nennenswerte Zunahme der Ordnungsstörungen etwa vor den Lokalen.

Im Sommer gab es Schlagzeilen wegen vermehrter Wohnungseinbrüche, auch bei uns.

Das stimmt, deren Zahl hat sich verdoppelt, liegt aber immer noch bayernweit im unteren Bereich - in manchen deutschen Großstädten ist sie acht- bis zehnmal so hoch. Das Präsidium hat im operativen und organisatorischen Bereich massiv gegengesteuert - mit Erfolg. Durch computergestützte Informations- und Kommunikationsoptimierung gelang es, viele Hinweise und Fahndungsansätze zu koordinieren und durch Festnahmen den Druck auf die drei Gruppen von potenziellen Einbrechern zu erhöhen.

Welche Gruppen sind das?

Zunächst die örtlichen Gelegenheitseinbrecher, meist Drogensüchtige, die Geld brauchen. Dann die meist aus Südost-Europa durchziehenden Banden, die durch bettelnde oder hausierende Personen oft Gelegenheiten zum Wohnungseinbruch ausspähen und ausnutzen, und schließlich die ebenfalls ortsansässigen größtenteils georgischen Staatsangehörigen, die oft organisiert operieren.

Was tun Sie dagegen?

Neben durchaus erfolgreichen kriminalpolizeilichen Maßnahmen bei entsprechender Beweislage setzen wir vor allem auf Prävention: Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit, wertvolle Hinweise nach Presse-Aufrufen helfen, ebenso die Aktion "Wachsamer Nachbar". Das hat schon viele Hinweise gebracht, es gab auch Verhaftungen. Momentan ist bei uns der Trend rückläufig.

Gibt's Probleme mit Gewalttätern?

Auch diese Entwicklung ist leicht rückläufig, und zwar seit Jahren. Bei großen Veranstaltungen bleibt es friedlich, denn wir zeigen dort stete Präsenz. Erfreulich ist auch, dass die gravierenden Fälle der Vergangenheit mit betrunkenen Kindern oder Jugendlichen abgenommen haben. Hier sind wir auf einem guten Weg.

Wie sieht man die Personalsituation an höherer Stelle?

Man kennt unsere spezielle Situation. Ich habe dem scheidenden Präsidenten einen Filmbeitrag des Bayerischen Rundfunks von 1971 über Sulzbach-Rosenberg mitgegeben, den ich gefunden habe. Darin hieß es damals schon, dass die Polizeiinspektion eine Soll-Stärke von 35 Beamten hat. Es hat sich also in 43 Jahren, bis auf eine erhebliche Zunahme der polizeilichen Aufgaben, nicht wirklich viel verändert. Deshalb wäre es, wie anfangs angeführt, langsam Zeit für mehr Personal.
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