Jauch gibt der ARD einen Korb

Trotz aller Vorwürfe - "unsicher", "ahnungslos", "überfordert" - war Günther Jauch mit seiner Politiksendung am Sonntagabend ein Quotengarant für die ARD. Zum Ende des Jahres hört er auf. Bild: dpa

Die Zuschauer müssen sich auf ein neues Gesicht am Sonntagabend einstellen. Die ARD hat Günther Jauch zwar ein Angebot zur Vertragsverlängerung gemacht. Doch der 58-Jährige lehnte ab.

Der erfolgreichster deutsche Polit-Talk verschwindet von der Bildfläche. "Günther Jauch" ist ein Flaggschiff der ARD und ein Quotenmagnet nach dem Sonntagskrimi. Das Live-Format erreicht seit seinem Start im September 2011 im Schnitt um die 4,6 Millionen Zuschauer. Als es vor zwei Jahren um die Steueraffäre des Bayern-Managers Uli Hoeneß ging, waren es sogar zwei Millionen mehr. Damit spielt der 58-Jährige in einer Liga mit Fußball und "Tatort". Die Enttäuschung über seinen Rückzug ist herauszuhören, wenn ARD-Programmdirektor Volker Herres lobt: "Günther Jauch erreicht mehr Zuschauer als bislang alle vergleichbaren politischen Talkformate." Nun geht er zum Jahresende.

Kurz und höflich

Der Korb ist kurz und höflich. "Über das Angebot der ARD zur Vertragsverlängerung habe ich mich sehr gefreut. Sowohl aus beruflichen als auch aus privaten Gründen habe ich es nicht angenommen", wird Jauch vom zuständigen NDR zitiert.

Über die konkreten Gründe kann man nur spekulieren. Ging es um Geld? Wurde ihm der Stress eines Doppel-Engagements beim Ersten und bei RTL zu viel? Oder möchte sich der TV-Produzent und Weinbergbesitzer anderen Dingen zuwenden? Hat ihm die Kritik, die ihn neben den guten Quoten von Anfang an begleitet hat, am Ende doch zu schaffen gemacht?

Erst im März hatten Kritiker eine Ausgabe zur Griechenland-Krise scharf angegriffen. Damals konfrontierte Jauch den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis mit einem Video, bei dem dieser den Mittelfinger zeigte - als abfällige Geste gegen Deutschland. Was folgte, war ein Aufschrei in deutschen Medien gegen den Politiker. Satiriker Jan Böhmermann war darauf so über Jauch empört, dass er das Gerücht streute, er selbst habe das gefälscht.

Danach Böhmermanns giftiges Dementi: "Niemals würden wir die notwendige journalistische Debatte über einen zwei Jahre alten, aus dem Zusammenhang gerissenen Stinkefinger und all diejenigen, die diese Debatte ernsthaft öffentlich führen, derart skrupellos der Lächerlichkeit preisgeben." Zuspitzung, Provokation, Überforderung - solche Vorwürfe musste sich Jauch häufig anhören. Dennoch ist sein Talk immer Gesprächsstoff am Montagmorgen - und sein Status als Publikumsliebling war nie ernsthaft gefährdet.

Bosbach ist "platt"

Politiker müssen sich nun ab Januar 2016 ein neues Zuhause am Sonntagabend suchen. "Ich bin mehr als überrascht. Ich bin platt", bedauerte der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach das Ende der Sendung, in der er schon häufiger zu Gast war. "Ich weiß nicht, wie die ARD diese Lücke am Sonntagabend füllen will."
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