"Je suis Charlie, aber nicht Pegida"

Rund 35 000 Menschen demonstrierten am Samstag vor der Frauenkirche in Dresden unter dem Motto "Für Dresden, für Sachsen - für Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Dialog im Miteinander". Bild: dpa

Seit Wochen zieht Pegida durch Dresden, um gegen eine Überfremdung zu demonstrieren, die es gar nicht gibt. Stadt und Sachsen sehen ihr Image in Gefahr und rufen auf, ein anderes Bild von Dresden zu zeigen. Die Rechnung geht auf.

35 000 Menschen für Toleranz und Mitmenschlichkeit vor der Dresdner Frauenkirche: Es ist das kraftvolle Zeichen von Weltoffenheit, das sich die Stadt und Sachsen erhofft haben. Im Wettstreit der Bilder und Symbole ist die Kundgebung auch ein Erfolg gegen die Anti-Islam-Bewegung Pegida, die mit ihren wöchentlichen Märschen gegen eine von ihr behauptete Überfremdung die mediale Wahrnehmung Dresdens dominieren.

"Je suis Charlie, aber nicht Pegida", bekunden einige Teilnehmer auf Zetteln, die sie still in die Höhe halten, als die Kundgebung am Samstag mit einer Gedenkminute für die Opfer des islamistischen Terrors in Frankreich beginnt. Man stehe hier für Menschen zusammen, sagt Oberbürgermeisterin Helma Orosz - "egal, ob sie hier in Deutschland, Europa, Afrika oder Asien geboren wurden, egal, ob sie Christen, Juden, Hindus oder Muslime sind". Die Erleichterung ist der CDU-Politikerin deutlich anzusehen. Erleichterung darüber, dass so viele gekommen sind. Fast doppelt so viele wie zuletzt zu Pegida.

Und auch das Wetter spielt mit. Regen und Sturm waren angesagt. Der Wind bläst zwar heftig, aber immer wieder scheint auch die Sonne. "Wir sind Dresden" ist auf Plakaten und Transparenten zu lesen, ebenso wie "Vielfalt statt Einfalt" oder "Pegida-Versteher, nein danke!". Sie seien gekommen, um für eine offene Stadt einzustehen, sagt ein 37-Jähriger, der zusammen mit Frau und Kind an der Kundgebung teilnimmt. "Wir dürfen denen das Feld doch nicht überlassen, die nur Angst und Vorurteile gegen alles Fremde schüren."

Manche nutzten ihre Freiheit nur, um gegen etwas zu sein, sagt Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). "Das ist zulässig, bringt uns aber nicht weiter." Mitmachen sei Voraussetzung dafür, Probleme gemeinsam zu lösen, und dass "Gefühl und Wirklichkeit wieder in Einklang kommen". Ohne Pegida beim Namen zu nennen, disqualifiziert er sie als Gesprächspartner: "Wer gegen alles Fremde polemisiert und Ängste gegen Ausländer, Flüchtlinge und Asylsuchende schürt, mit dem lässt sich nicht sachlich reden."

Die Organisatoren von Pegida nennen die Kundgebung auf Facebook ein "staatlich subventioniertes Samstags-gratis-Konzert-Happening mit Promigästen unter falscher Flagge". Und sie laden ein zum nächsten "Montagabendspaziergang" - dann mit Trauerflor für die Terroropfer in Frankreich. Der Kampf um Bilder und Symbole geht weiter.
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