Jecken trotzen der Angst vor dem Terror

Rebellisch waren die Karnevalisten immer schon. Auch von der Angst vor dem Terror ließen sich die Jecken und Narren am Rhein ihren höchsten Feiertag - den Rosenmontag - nicht verderben.

Millionen Karnevalfans haben am Rosenmontag mit beißender Satire der Angst vor Anschlägen die Stirn geboten. Bei den großen Umzügen in Köln, Düsseldorf und Mainz wurde das Thema Terror nicht ausgespart. "Man geht mit einem anderen Gefühl hin. Aber wir lassen uns den Spaß nicht verderben", hieß es. In Düsseldorf stand auf einem der Wagen "Terror hat nichts mit Religion zu tun" auf einem anderen "Charlie Hebdo - Satire kann man nicht töten".

Am Sonntag war in Braunschweig ein Umzug nach einer Terrordrohung abgesagt worden. In Köln, Düsseldorf und Mainz gingen trotzdem so viele Menschen auf die Straßen wie in den Vorjahren auch. In Köln, dem bundesweit größten Zug, rollte ein Wagen mit einem abgeholzten Stiftewald, in dessen Mitte ein Clown einen neuen Buntstift als Symbol der Narrenfreiheit wachsen ließ. Im Düsseldorfer Zug griffen mehrere Motivwagen das Thema Terror auf.

Nach den Terroranschlägen von Kopenhagen verdichten sich unterdessen die Hinweise auf ein islamistisches Motiv des getöteten Attentäters. Der 22-jährige arabischstämmige Todesschütze wollte sich einem Medienbericht zufolge der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien anschließen. Die Polizei nahm auch zwei mutmaßliche Komplizen fest, die wegen Verdachts der Mithilfe in Untersuchungshaft kamen. Dänemark gedachte am Montag mit Trauerkundgebungen der beiden Opfer. Zur Hauptveranstaltung am Abend in Kopenhagen kamen trotz Eiseskälte rund 13 000 Menschen.

Beistand für die Juden

Die israelische Regierung erntete mit ihrem Aufruf an die in Europa lebenden Juden zur Auswanderung nach Israel deutlichen Widerspruch. Die Juden hätten ihren Platz in Europa und im Besonderen in Frankreich, sagte Frankreichs Staatspräsident François Hollande. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte den Juden in Deutschland ihre Unterstützung zu. Man werde alles dafür tun, dass die Sicherheit jüdischer Einrichtungen und die Sicherheit der Bürger, die jüdischer Herkunft sind, gewährleistet werde, sagte sie am Montag in Berlin. "Wir sind froh und auch dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt", ergänzte die Regierungschefin.

Keine Anschlagspläne

Die Absage des Karnevalsumzuges in Braunschweig befeuerte die Debatte um die Sicherheitslage in Deutschland erneut. Deutschland stünde wie andere Staaten im Fokus des Terrorismus, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin. "Absolute Sicherheit gibt es nicht." In Bayern gibt es nach Angaben des Innenministeriums nach wie vor keine Hinweise auf Anschlagspläne. Die Gefährdungslage werde aber dennoch als unverändert hoch eingeschätzt. (Kommentar, Seite 7 und 8)
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