Jede dritte Vogelart ist bedroht

Der Mensch hat es in der Hand: Die Artenvielfalt in Europa ist - wie der neue EU-Umweltbericht erneut belegt - in größter Gefahr. Die Bestände von Arten wie dem Wiedehopf gehen stark zurück oder sind teilweise nicht mehr existent. Bild: dpa

Feldlerche und Uferschnepfe sind in Europa vom Aussterben bedroht. Die Lebensräume der Vögel verschwinden, warnt der EU-Umweltbericht. Naturschützer verlangen von der EU ein schnelleres Handeln.

In Europa ist fast jede dritte Vogelart vom Aussterben bedroht oder steht auf der Warnliste - darunter auch die früher weit verbreitete Feldlerche und die Uferschnepfe. Das zeigt der am Mittwoch vorgelegte Umweltbericht der EU-Kommission und der Europäischen Umweltagentur (EEA). Allerdings gibt es auch Erfolge beim Artenschutz von Vögeln. So ist die Zahl der Bartgeier und Weißkopfruderenten, die von europäischen Artenschutzprogrammen profitieren, in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen.

Eingriffe in Landschaft

Viele Arten leiden darunter, dass ihre Lebensräume schwinden. Besorgniserregend ist demnach die Entwicklung von Weiden, Feuchtgebieten und Dünen. Die größten Bedrohungen sehen die Experten in der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung mit Dünger und Pestiziden, im intensiven Fischfang und im Trockenlegen von Flächen.

Laut EU-Bericht sind 77 Prozent der geschützten Lebensräume für Tiere und Pflanzen in Europa in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. EEA-Direktor Hans Bruyninckx sagte: "Leider wird die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten in Europa insgesamt noch immer ausgehöhlt." Besonders schlecht schneidet die Ostsee-Region ab. Dort seien 60 Prozent der geschützten Arten in einem sehr schlechten Zustand.

Der Bericht basiert auf Daten der EU-Staaten aus den Jahren 2007 bis 2012. Ein Teil der Auswertung ergab, dass fast ein Drittel der Lebensräume und rund jede fünfte der untersuchten Arten 2012 in einem schlechteren Zustand war als im Vergleichszeitraum zuvor. Dieser Trend werde sich fortsetzen. "Wir müssen uns diesen Herausforderungen stellen, weil die Gesundheit unserer Natur verbunden ist mit der Gesundheit von Europas Bürgern und mit unserer Wirtschaft", sagte EU-Umweltkommissar Karmenu Vella.

Viele Forderungen

Naturschützer mahnen die EU-Kommission zu einem schnelleren Handeln. In einer Kampagne fordern nach Angaben der Umweltschutz-Initiative Friends of the Earth inzwischen mehr als 100 000 Europäer von der Kommission, die Umwelt- und Artenschutzvorgaben nicht zu schwächen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verlangte von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ein Sofortprogramm für Europa, das bis 2020 konkrete Artenschutzerfolge schaffen müsse.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) veröffentlichte am Mittwoch ebenfalls seinen Artenschutz-Report, demzufolge in Deutschland jede dritte untersuchte Art gefährdet ist. Ob Rebhuhn oder Wildbienen: "Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend."
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