John Zwick besucht mit Therapiehund Jake das Elisabethheim
Zuneigung auf vier Pfoten

Treuer Blick, sanftes Wesen: Jake wurde in Amerika zum Therapie-Hund ausgebildet. Bilder: Völkl
 
Streicheleinheiten für die Seele: John Zwick schaut gerne mit Jake bei den Senioren im Elisabethenheim vorbei.
Schwandorf/Nabburg. (cv) Lieselotte winkt von Weitem. Ein "Grüß euch" kommt aus der Plauderrunde am Kaffeetischchen, als das vertraute Duo das Elisabethenheim betritt: John und Jake sind wieder da.

John Zwick ist Amerikaner, 56 Jahre alt, und spricht hervorragend deutsch. Neben ihm läuft Jake, neun Jahre alt, Hundemischling mit starker Schäferhund-Linie und treuen, braunen Augen. In regelmäßiger Unregelmäßigkeit, im Schnitt alle ein, zwei Wochen, kommen die beiden auf zwei Beinen und vier Pfoten ins Elisabethenheim. Jake stupst leicht, schmiegt sich an die Hand mit Lebensfurchen, legt sich vor den Rollstuhl. Der Hund braucht seine Streicheleinheiten, genießt die Aufmerksamkeit von Liselotte sichtlich. Die 84-Jährige erzählt von sich, aus ihrem Leben. John hört zu. Eine kleine Nettigkeit, ein Späßchen - den Senioren gefällt die Unterhaltung.

Zwick und Zwick

Heimleiter Egon Gottschalk kommt vorbei, begrüßt John herzlich, tätschelt Jake. Vor eineinhalb Jahren sind die beiden das erste Mal vorbei gekommen. Tante Maria ist hier gut umsorgt worden, erzählt John. "Ich wollte etwas zurückgeben". John ist im Ruhestand nach Deutschland gezogen, zurück zu den Wurzeln. Die Großeltern sind im Ersten Weltkrieg ausgewandert. John war Polizist in New Jersey, in Paramus. Doch zur "Family" in Deutschland hielt er stets Kontakt. In Weidenthal lernte er seine Anneliese kennen und lieben. Übrigens mit dem gleichen Nachnamen - Zwick. Zwei Jahre Besuche, Urlaube, Billigflüge: Dann entschied sich Anneliese zu John zu ziehen. Die beiden heirateten, haben zwei Kinder: Katyleen und Ryan. Sie sollten einen Hund bekommen. Die Zwicks fuhren ins Tierheim, "denn wie ein Mensch soll auch jedes Tier eine zweite Chance haben". Thomas, der Hund mit drei Beinen wurde aufgenommen und geliebt. Als er starb, holte John Jake ins Haus. Je näher es auf den Ruhestand zuging, umso mehr reifte in John die Idee, Jake zum Therapiehund ausbilden zu lassen. John knüpfte im Netz Kontakte zu "Bright and Beautiful", einer "Nonprofit Organisation", denn "ich kann die Welt nicht ändern, aber dazu beitragen, dass sie etwas freundlicher wird". John und Jake gingen zur Schule: zwei Monate lang. Jake war charakterlich geeignet, anschmiegsam, schnappte nicht, kam mit Rollstuhlgeräuschen zurecht. Herr und Hund schafften das Diplom. So ausgebildet ging es auf Anforderung in Pflege- und Seniorenheime, auch in Schulen. John schwärmt heute noch davon, wie schnell Kinder Leseblockaden verloren, wenn sie erst zu Jake und dann zur Menge sprachen.

Nähe schaffen

Seit 2. Juli 2012 lebt John in Deutschland. Die Familie hat die Staaten verlassen und sich in Nabburg ein Haus gekauft. Im Seniorenheim hört John Lebensgeschichten, plaudert über Gott und die Welt, während Jake sich streicheln lässt, Nähe schafft. Auch Jake fühlt sich sichtlich wohl. "Er braucht genauso seine Streicheleinheiten", erzählt John Zwick. "Wenn ich sage, wir gehen heute ins Elisabethenheim, wird er ganz aufgeregt". Jake liebt es gestreichelt zu werden.

Es gibt wissenschaftliche Abhandlungen über Menschen mit Haustieren, über den Therapiewert bei Senioren und kranken Menschen. John drückt es einfach aus: Freude, Heiterkeit schenken, Zuneigung durch eine Berührung ausdrücken, die die Seele streichelt. Nach dem Schwätzchen mit Lieselotte Dirlmeier, dem Plausch mit Barbara Schneid, Maria Prause, Berta Lehner und Anna Neumer geht es zu einem Schwerkranken, der Jake ins Herz geschlossen hat.

Streicheleinheiten

Auch der Mischlingshund ist nicht mehr so mobil: Vor einem Jahr hat er beim Spazierengehen Rattengift erwischt, wäre fast gestorben. "Seitdem ist er nicht mehr ganz der Alte. Jake ist langsamer geworden", erzählt John Zwick. Vielleicht braucht auch er deshalb seine Streicheleinheiten umso mehr.
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