Journalisten und Papst-Berater kommen vor Gericht
Prozess des Vatikans

Wegen der jüngsten Veröffentlichung vertraulicher Dokumente der Kurie müssen sich von Dienstag an fünf Angeklagte vor einem vatikanischen Gericht verantworten. Es handelt sich um die beiden Journalisten und Buchautoren Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi sowie ihre mutmaßlichen Informanten. Den Angeklagten werde vorgeworfen, unerlaubt Dokumente an sich gebracht und veröffentlicht zu haben, die "fundamentale Interessen des Heiligen Stuhls und des (Vatikan-)Staates betreffen", teilte der Vatikan am Samstag mit.

Nuzzi und Fittipaldi hatten Anfang November Bücher veröffentlicht, in denen sie dem Vatikan unter anderem maßlose Geldverschwendung vorwerfen. Sie stützen sich dabei auf Dokumente aus der Kurie, die ihnen zugespielt worden waren. Mit ihnen vor Gericht stehen drei frühere Mitglieder der von Papst Franziskus 2013 eingerichteten Kommission Cosea, die Vorschläge für die Reform der Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen des Vatikans erarbeiten sollte und nach Abschluss der Arbeiten aufgelöst wurde. Ihnen wird auch die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Vallejo Balda sitzt seit Anfang November im Vatikan in Haft, Chaouqui wurde nach kurzer Festnahme wieder freigelassen.

Der Vatikan verfügt als souveräner Staat über eine eigene Justiz. Franziskus hatte die Strafen für das Veröffentlichen vertraulicher Dokumente nach Beginn seines Pontifikats 2013 verschärft. Laut dem Wochenmagazin "L 'Espresso", für das Fittipaldi arbeitet, drohen den Angeklagten vier bis acht Jahre Haft. Nuzzi und Fittipaldi reagierten empört auf die Prozesseröffnung. "Das ist kein Prozess gegen mich, heute prozessiert der Vatikan gegen die Meinungsfreiheit", schrieb Fittipaldi.
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