Jugendliche aus Bethlehem bereiten sich in München auf den Weltjugendtag in Köln vor - "Wir ...
Einmal für einige Tage in Freiheit tief durchatmen

Fadi Murra legt sich zurück ins grüne Gras. Sein Blick wandert in den grauen Münchner Himmel. Zeit, für einen Moment den eigenen Gedanken nachzuhängen. "Das hier verändert mein Leben", sagt der 24-Jährige aus Bethlehem. Wenige Minuten zuvor tanzte der junge Christ noch Fahne schwenkend mit anderen Jugendlichen durch die Arena im Gelände der Bundesgartenschau in München-Riem. Am Ende standen alle - ob Palästinenser, Franzosen, Ecuadorianer, Kanadier oder von anderen Nationen - auf der Bühne und feierten sich.

Schon während des Gottesdienstes unter freiem Himmel am Sonntag waren die Jugendlichen aus aller Welt immer wieder begeistert mitgegangen - und klatschen im Rhythmus der Musik. "Wir freuen uns", erklärt der junge Palästinenser die ausgelassene Stimmung. "Der Hauptpunkt aber ist: Hier gibt es Frieden und Freiheit." Hier in München, fern der Heimat, können sie durchatmen, "tief durchatmen", sagt ein zweiter aus der Gruppe der Palästinenser: "Fadi Zwei", stellt sich der 21-Jährige vor: "Zu Hause laufen wir gegen Mauern." Zu Hause, das ist in Bethlehem, in der Geburtsstadt Jesu.

Der palästinensische Ort ist nahezu eingemauert. Mehr als acht Meter hoch ist die israelische Sicherheitsmauer, die Bethlehem und seine Nachbargemeinden vom nur wenige Kilometer entfernten Jerusalem trennt. Wer den Ort verlassen will muss durch israelische Kontrollen. Auch die acht Jugendlichen aus Bethlehem, die zum Weltjugendtag nach Deutschland gekommen sind. An zig Straßensperren heißt es Koffer öffnen, ehe sie nach Jordanien ausreisen können, um von Amman nach München zu fliegen.

Der kürzere Weg über Tel Aviv ist ihnen verwehrt - Israel gestattet ihnen die Durchreise nicht, denn sie haben einen palästinensischen Pass. Den Flug zahlt Pax Christi. "Ohne diese Hilfe hätte sich keiner von uns die Reise leisten können", sagt Elias Abou Akleh, der Leiter der Gruppe. Der Mitbegründer des "Arab Educational Institute", einer Jugendeinrichtung in Bethlehem, ist dankbar für die deutsche Hilfe. Ermöglicht es diese doch seinen Jugendlichen andere Kulturen kennen zu lernen und einmal rauszukommen aus der bedrückenden Situation im besetzten Westjordanland.

Gastgeber ist die Kolpingfamilie München-Giesing, die zur Pfarrei Hl. Kreuz gehört. Untergebracht sind die acht Palästinenser in Gastfamilien, die sie auch während der fünf Tage der Landeshauptstadt betreuen. In dieser Zeit berichteten die Jugendlichen über ihr Leben bei sich zu Hause, lernten an der Universität etwas über Sophie Scholl und feierten die Gottesdienste der "Tage der Begegnung" mit.

"Wir sind nicht nur zum Spaß hier", betont der 20 Jahre alte Johnny Nustas. Die Jugendlichen wollen zeigen, dass die Palästinenser keine Terroristen sind. Sie wollen das aus den Medien vermittelte Bild widerlegen, sagt Fadi Murra. Oft genug sind sie in der Stadt in den vergangenen Tagen darauf angesprochen worden. Ihre Fahne, die sie wie viele Weltjugendtagsteilnehmer immer dabei haben, bescherte ihnen aber auch schöne Begegnungen: Etwa mit Touristen aus den Ölstaaten.

Am Sonntagnachmittag aber genießen sie unbeschwert das Picknick mit ihren Gastgebern im Bundesgartenschaugelände. Johnny spielt mit dem Dudelsack palästinensische Lieder. Die Jugendlichen singen, ehe der einsetzende Regen sie vertreibt. An diesem Dienstag reisen sie weiter nach Köln, zum Weltjugendtag.