Juwelendieb hinter dem Öltank

Mit dieser Aufnahme einer Überwachungskamera suchten australische und thailändische Polizisten monatelang nach einem im Landkreis Amberg-Sulzbach aufgewachsenen Mann. Vor Weihnachten wurde der Mittzwanziger im Haus seiner Eltern festgenommen. Bild: dpa

Es klingt wie ein Hollywood-Drehbuch, ist aber Realität: Einem weltweit gesuchten Juwelendieb gelingt am Flughafen in Bangkok (Thailand) die Flucht. Während der Auslieferung von Australien nach Deutschland entkommt er seinen Aufpassern. Der junge Mann stammt aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach und wird vor Weihnachten verhaftet. Im Haus seiner Eltern.

Amberg. (tk) Vor etwas mehr als zehn Jahren, im Frühjahr 2004, machte der damals noch minderjährige Junge aus dem Landkreis zum ersten Mal Schlagzeilen. Er war mit einem Kompagnon in mehrere Schulen eingebrochen und hatte unter anderem Computer und Flachbildschirme gestohlen. Dem Strafvollzug, es waren über 300 Tage Gefängnis angeordnet, entzog sich der junge Mann allerdings.

Polizeisprecher Peter Krämer bestätigt das: Kaum sei der Einbrecher volljährig gewesen, habe er sich nach Australien abgesetzt. Dort soll er drogenabhängig und zum Juwelendieb geworden sein. Wie es dann mit ihm weiterging, ist der ausländischen Presse zu entnehmen.

So berichtet "Wochenblitz", eine in Thailand in deutscher Sprache erscheinende Zeitung: Der Mann sei in Australien wegen illegaler Einreise zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Auslieferung sollte in Kürze erfolgen. Dafür waren laut "Wochenblitz" die australischen Behörden zuständig, die ihrerseits Mitarbeiter nach Bangkok geschickt hätten, um den dorthin geflüchteten und festgenommenen Landkreisbewohner abzuholen und zügig nach Deutschland bringen.

Bewacher eingeschlafen

Nach Ermittlungen der thailändischen Polizei sollen die Begleiter aber eingeschlafen sein, was der Mittzwanziger dazu genutzt haben soll, sich abzusetzen. Er soll sich laut des Berichts angeblich 30 Stunden lang auf dem Flughafen versteckt haben und erst dann durch einen Notausgang geflohen sein.

Die australische Sicherheitsfirma habe den Mann als "geringes Risiko" eingestuft, obwohl er als gewalttätig und drogenabhängig galt. Behördenchef Martin Bowles (Australien) wies jedoch laut Nachrichtenmagazin Focus thailändische Medienberichte zurück, wonach die Bewacher eingeschlafen seien. Der Mann haben einen nächtlichen Aufenthalt im Transitbereich des Flughafens zur Flucht genutzt. Wegen des schlechten Wetters habe der Zwischenstopp länger als geplant gedauert. Aber es bleibe ein Geheimnis, wie er es schaffen konnte, aus dem Flughafen zu kommen. Die australische Zeitung Sydney Morning Herald berichtete, der Deutsche sei durch einen Notausgang entkommen, in dem er schlicht und ergreifend die Elektrik gekappt habe.

Danach verlor sich jede Spur, bis Zivilfahnder der Amberger Polizeiinspektion vor Weihnachten bemerkten, dass sich im elterlichen Haus des Gesuchten etwas bewegte, wie es Peter Krämer formulierte. Die Kollegen hätten mehrfach geklingelt, geklopft und Verstärkung gerufen, denn: "Irgendwann ist Schluss mir lustig." Ein beauftragter Schlüsseldienst habe die Tür geöffnet, die Polizei das Anwesen durchsucht. Zunächst ohne Erfolg. Es war bereits nach Mitternacht. Aber dann meldeten die Beamten Vollzug: Sie fanden den Gesuchten, der sich Keller hinter einem Öltank versteckt hatte.

Ende 2015 wieder frei

Seitdem befindet sich der Mann in Haft und verbüßt die noch offene Strafe von über 300 Tagen. "Im letzten Quartal 2015 dürfte er wieder ein freier Mann sein," sagt Polizeisprecher Krämer und ergänzt: "Es sei denn, man findet noch was." Aber dafür gebe es keine Erkenntnisse.
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