Kampf um Faurecia-Werk Trabitz geht weiter: Der beste Sozialplan ist nur die zweitbeste Lösung
"Tod auf Raten" verhindern

"Zufriedenstellend" werteten IG-Metall-Sekretär Udo Fechtner (links) und Betriebsratsvorsitzender Karl Boemmel den Sozialplan. Mit den anstehenden Entlassungen sei die Gefahr einer Werksschließung aber nicht gebannt. Bild: bjp
Über Details bewahrten Udo Fechner und Karl Boemmel Stillschweigen. Doch so viel ließen der zweite Bevollmächtigte des IG-Metall-Bezirks Amberg und der Faurecia-Betriebsratsvorsitzende beim Informationstermin im Kulmainer Gasthof Wiesend anklingen: Für 66 Mitarbeiter des Faurecia-Werks, denen im Laufe dieser Woche das Entlassungsschreiben zugestellt wird, konnten Gewerkschaft und Betriebsrat "durch Geschlossenheit und Entschlossenheit" einen Sozialplan mit "akzeptablen Bedingungen" erkämpfen.

Das Beste herausgeholt

"Wir haben das Bestmögliche herausgeholt und sowohl diese Entlassungen als auch etwaige Gedanken an eine Standortschließung für den Konzern so teuer wie möglich gemacht", bilanzierten Boemmel und Fechtner. Das Bestmögliche erreicht? So ganz stimme das nicht, relativierten die Gewerkschafter. "Uns wäre es lieber, wenn wir den Stellenabbau verhindert und eine langfristige Standortsicherungszusage mitgebracht hätten", meinte Boemmel. Immerhin, so Fechtner, habe Faurecia signalisiert, an der Sicherung des Standorts interessiert zu sein.

Allerdings werde man weiter um eine belastbare Garantie und "um jeden Arbeitsplatz" kämpfen, denn die Gefahr weiterer Stellenstreichungen sei nicht gebannt: "Und dann wäre der Standort womöglich so weit geschrumpft, dass sein Bestand in Frage steht." Auch für Karl Boemmel ist klar: "Ein Sterben auf Raten darf es nicht geben." Besonders wichtig findet der Betriebsratssprecher, dass der Investitionsrückstand mehrerer Jahre aufgeholt wird: "Das Trabitzer Werk braucht modernere Maschinen und Produkte, um auf lange Sicht bestehen zu können."

Nach wie vor gelte: "Die Belegschaft ist bereit zu finanziellen Opfern, wenn das Geld in den Betrieb investiert wird." Boemmel erinnerte, dass die Mitarbeiter 2012 auf Urlaubsgeld verzichteten in der Erwartung, dass der Konzern das Geld in die Werksmodernisierung investiert und eine Standortgarantie abgibt. Beides sei nicht geschehen, stattdessen habe Faurecia das Geld 2013 zurückgezahlt: "Auf uns wirkte das wie ein schlechtes Vorzeichen."

Kein Verständnis

So viel man erreicht habe: Wirklich freuen könne sich kaum ein Mitarbeiter über den Sozialplan, räumten die Gewerkschafter ein. "Die Stimmung der Betriebsversammlung, bei der die Konditionen des Sozialplans bekannt gegeben wurden, war spürbar bedrückt - wie schon in den letzten Monaten der Ungewissheit", verriet Boemmel. Kein Verständnis brachte er für Beschwerden des Konzerns über den "hohen Krankenstand" in letzter Zeit auf: "Verwundert es irgendwen ernsthaft, dass Mitarbeiter körperlich und seelisch angeschlagen sind, weil sie seit Monaten und Jahren um ihre Zukunft fürchten und niemand eine klare Ansage gibt?"

Auch hinter Gewerkschafts- und Betriebsratsangehörigen liege eine harte Zeit. Die seit Anfang Mai laufenden Sozialplangespräche hätten sich auch deshalb hingezogen, weil die deutschen Faurecia-Repräsentanten bei allen Entscheidungen Rücksprache mit der französischen Zentrale hätten halten müssen. Immer wieder hätten andere Gesichter am Verhandlungstisch gesessen: "Wir mussten immer wieder von vorn anfangen", sagt Boemmel. Firma und Arbeitnehmervertreter hätten zudem in ihren Vorstellungen anfangs "Lichtjahre auseinandergelegen."
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