Kampf um mehr Lohn

Tausende Erzieher und Sozialarbeiter gehen in München am Freitag für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße. Bild: dpa

Für mehr Anerkennung und mehr Geld sind viel mehr Erzieherinnen in München auf die Straße gegangen als von der Gewerkschaft Verdi gedacht. Auch am Warnstreik beteiligten sich deutlich mehr Beschäftigte in Bayern als erwartet.

Rund 3500 Erzieher haben nach Angaben der Gewerkschaft Verdi am Freitag in Bayern ihre Arbeit niedergelegt. Einige hundert Kitas blieben geschlossen - allein in Nürnberg waren es 118, in Augsburg 22, in München sollte nach Verdi-Angaben jede zweite der 419 Kindertagesstätten geschlossen bleiben. Zum Warnstreik aufgerufen waren die Beschäftigten aller kommunalen sozialen Einrichtungen in München, Augsburg, Nürnberg, Fürth, Erlangen, Lauf, Schwabach, Ansbach, Olching und Germering.

In München gingen laut Polizei rund 2300 Demonstranten für mehr Anerkennung und mehr Geld auf die Straße - die meisten von ihnen waren Frauen. "Wir hatten nur mit 1000 gerechnet", sagte Organisator Heinrich Birner von Verdi. Auf Plakaten forderten die Demonstranten: "Erzieherinnen verdienen mehr". Sie kritisierten: "Anforderung steigt, Anerkennung sinkt".

Die 18-jährige Kinderpflegerin Anja aus Weilheim hielt ein Plakat mit der Aufschrift "Wollen Sie, dass wir so arbeiten, wie wir bezahlt werden?" in die Luft. Sie sagte: "Man kann von dem Gehalt leben, aber nicht gut. Ich wohne noch bei meinen Eltern. Ausziehen könnte ich mir fast nicht leisten." Die nächste Tarifverhandlung von Verdi mit den kommunalen Arbeitgebern findet am Montag in Münster statt. Die Gewerkschaft fordert eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe und die Einstufung bestimmter Tätigkeiten in höhere Gehaltsgruppen.

Der stellvertretende bayerische Verdi-Chef Norbert Flach sagte: "Wir können weitere Arbeitsniederlegungen nicht ausschließen, wenn die Arbeitgeber weiterhin nur in hohlen Phrasen die Arbeit der Beschäftigten würdigen, aber die dringend notwendige Aufwertung hintertreiben."

Die Arbeitgeber wiederum kritisierten die Aktion: "Die Warnstreiks belasten in erster Linie die Kinder und ihre Eltern, die auf eine verlässliche Kinderbetreuung angewiesen sind", sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) in Frankfurt, Manfred Hoffmann. Die Gehälter von Erzieherinnen liegen nach VKA-Angaben zwischen 2590 Euro und 3750 Euro brutto. Nach Verdi-Angaben arbeiten bundesweit knapp 60 Prozent der Erzieherinnen in Teilzeit.
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