Katholische Bischöfe sprechen über Kirchenasyl - Hoffnung auf Papstbesuch
Marx: Kein Staat im Staat

Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, sieht im Kirchenasyl keine Lösung des Flüchtlingsproblems. Vielmehr könnten Einzelfälle nochmals geprüft werden. Bild: dpa
Im Streit um das Kirchenasyl hat Kardinal Reinhard Marx erneut zu "verbaler Abrüstung" und verantwortlichem Handeln aufgerufen. Es gehe beim Kirchenasyl darum, "in Grenzfällen" noch einmal über die Situation der Flüchtlinge nachzudenken, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Montag in Hildesheim zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe.

Die Kirche wolle kein Staat im Staate sein, betonte Marx. Das Kirchenasyl dürfe auch nicht dazu missbraucht werden, um die Asylfrage grundsätzlich zu lösen. Es sei aber auch gut für den Staat, wenn schwierige Fälle noch einmal überprüft werden könnten. Der Erfolg gebe den Kirchen Recht; in 90 Prozent der Kirchenasylfälle werde eine erneute Überprüfung durchgeführt. Die stark steigende Zahl der Kirchenasylfälle begründete der Münchener Erzbischof mit den insgesamt steigenden Flüchtlingszahlen. Die "Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche" hatte am Montag mitgeteilt, dass die Zahl der Kirchenasyl-Fälle deutlich gestiegen sei. Derzeit gebe es 226 Kirchenasyle mit mindestens 411 Menschen. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) hatte den Kirchen vorgeworfen, sie versuchten sich, über staatliches Recht zu stellen. Beim Kirchenasyl nehmen Gemeinden oder Ordensgemeinschaften von Abschiebung bedrohte Asylbewerber auf.

Wie Marx weiter mitteilte, hoffen die Bischöfe auf einen Papstbesuch in der Bundesrepublik "in absehbarer Zeit". Papst Franziskus sei, auch wegen seines eigenen Deutschlandaufenthalts, sehr aufgeschlossen für die deutsche Sprache und Kultur, sagte der Konferenzvorsitzende. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Papst am Wochenende bei ihrem Besuch im Vatikan in die Bundesrepublik eingeladen.

Mit Blick auf die Kirchenfinanzen sieht Marx die katholische Kirche auf einem guten Weg zu mehr Transparenz. Allerdings gebe es in den 27 katholischen Bistümern sehr unterschiedliche Traditionen und Wege des Wirtschaftens, so dass eine einheitliche und vergleichbare Offenlegung der Finanzen schwierig sei, sagte der Münchner Erzbischof. Entscheidend sei aber, dass die Kirche zeige, was mit dem Geld gemacht werde und dass sie nachhaltig und verantwortungsvoll damit umgehe.
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