Kauf von Feuerwerkskörpern gestartet: Experten geben Tipps zur Sicherheit
Bombastisch ins neue Jahr

Ein buntes Feuerwerk erleuchtet an Silvester den Himmel über den Dächern von Sulzbach. Bild: Hartl
 
Der Jahreswechsel geht nicht ohne Spuren vorbei - im neuen Jahr liegen die abgebrannten Feuerwerkskörper noch auf den Straßen. Bild: Hartl
 
Die Deutschen zünden jährlich rund 10.000 Tonnen Feuerwerk. 2013 wurden mit den Feuerwerksartikeln 124 Millionen Euro Umsatz gemacht. Im Jahr 2004 waren es nur 87 Millionen Euro. Bild: Steinbacher

Um Mitternacht starten die Raketen in den Himmel. Mit einem Knall entladen sie sich in einem glitzernden Feuerwerk. Ein Böller verirrt sich in die Hecke des Nachbarn. Die Äste fangen Feuer. Experten geben Tipps, damit nicht in den ersten Minuten des neuen Jahres schon etwas schiefgeht.

Durchschnittlich zünden die Deutschen rund 10 000 Tonnen Feuerwerk an Silvester. Dadurch halten sie vor allem Polizisten, Feuerwehrmänner und Krankenhäuser ziemlich auf Trab.

„In den letzten sechs Wochen des Jahres greifen wir die meisten Menschen im Grenzgebiet zu Tschechien auf, die nicht zugelassene Feuerwerkskörper nach Deutschland transportieren wollen“, berichtet Johann Miesbeck, Pressesprecher der Bundespolizei Waidhaus. 2013 waren es 121 Verstöße. In diesem Jahr erwartet die Bundespolizei noch mehr.

Hände weg von Böllern vom Asiamarkt

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man auf den Asiamärkten in Tschechien nichts kaufen kann, was bei uns legal wäre. Hände weg von solchen Böllern. Das Einführen nach Deutschland ist strafbar“, warnt Miesbeck eindringlich. Im vergangenen Jahr seien bundesweit rund 90 000 nicht gekennzeichnete Feuerwerkskörper vom Zoll sichergestellt worden.

Die meiste Pyrotechnik würde zu große Mengen Sprengstoff – über sechs Gramm –, verbotene Substanzen und zu kurze Zündschnüre enthalten. Dadurch seien sie extrem gefährlich. „Bei einem Experiment haben Entschärfer der Bundespolizei Feuerwerkskörper in Krautköpfe gesteckt und entzündet“, beschreibt Miesbeck.

„Die Böller, die in Deutschland zugelassen sind, haben wenig Schaden angerichtet. Ein paar verkohlte Blätter waren zu sehen.“ Der „La Bomba“ aus Tschechien habe den Krautkopf komplett in Salat zerlegt. Die Stücke seien rund zehn Meter weit katapultiert worden. „Wenn man so einen in der Hand hochgehen lässt, kann sich jeder ausmalen, wie die Hand danach aussieht“, erläutert Miesbeck.

Kennzeichnung beachten

Deshalb sei es wichtig, bereits beim Kauf darauf zu achten, dass die Raketen und Böller in Deutschland zugelassen sind. Das könne man an der Registriernummer und der CE-Kennzeichnung auf der Verpackung erkennen. Feuerwerkskörper werden durch die Bundesanstalt für Materialforschung und - prüfung (BAM) getestet und für den Markt freigegeben, wenn sie den Standards entsprechen.

„Insgesamt prüfen wir jährlich 150 verschiedene Feuerwerkskörper. Von jeder Sorte erhalten wir 33 Baumuster, die wir auf die Funktion nach dem langen Transport von China nach Deutschland testen“, sagt Ulrike Rockland von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). „Davon kommen zehn für zwei Tage bei 75 Grad in einen Wärmeschrank und weitere zehn für eine Stunde auf einen Rütteltisch bei 50-facher Erdanziehungskraft.“ Danach werden alle 20 entzündet.

Import per Schiff aus China

„Weitere zehn werden im Anlieferungszustand entzündet und die restlichen drei Muster zerlegen wir.“ 95 Prozent der Böller würden aus China importiert. „Drei Monate Transport mit dem Schiff können Spuren hinterlassen. Im Container ist es warm und das Schiff wackelt. Wenn Schwarzpulver aus den Pappröllchen rieselt, die Zündschnur fehlt oder Dellen sichtbar sind, muss die gesamte Kiste entsorgt werden“, erklärt Rockland.

Auf dem Sprengplatz testet die BAM die Feuerwerkskörper auf ihre Lautstärke, Fluglinie und Funktion. Außerdem werde überprüft, dass die Menge an Schwarzpulver – sechs Gramm – nicht überschritten wurde.

Raketen würden zudem auf verbotene Substanzen wie Schwermetalle oder giftige Stoffe getestet. Steht auf dem Produkt zum Beispiel „0589-F2-0001“ wurde es von der BAM überprüft. „0589 steht für die BAM, F2 dafür, dass das Produkt für Jugendliche ab 18 Jahren erhältlich ist“, weiß die Expertin.

Richtig und sicher entzünden

Das CE-Kennzeichen gewährleiste, dass die Feuerwerkskörper, die auf dem Markt verkauft werden, den gleichen Standards entsprechen wie die Baumuster, die an die BAM geschickt wurden. „Beim Kauf von Feuerwerkskörpern sollte man auf diese Kennzeichnungen achten. Am besten ist, wenn man die Produkte im Einzelhandel kauft, wo man notfalls auch reklamieren könnte“, rät Rockland. „Das Verwenden selbstgebastelter Böller ist genauso strafbar wie illegale Feuerwerkskörper aus dem Ausland.“

Nicht nur beim Kauf gibt es etwas zu beachten, auch beim Entzünden der Raketen und Böller sollte man einige Sicherheitsvorkehrungen treffen. „Einen Feuerwerkskörper zündet man nie aus der Hand. Man wirft ihn auch nicht. Man legt ihn auf den Boden und entzündet dann die Zündschnur“, sagt Rockland.

Eine Rakete müsse in einer leeren Flasche, die in einem Getränkekasten steckt, gezündet werden. „Dadurch erhält sie den richtigen Drive nach oben und schießt nicht horizontal durch die Gegend.“

Altersbeschränkung

Die Feuerwerkskörper dürfen außerdem laut Günther Burkhard, Sprecher der Polizei in Weiden, nicht in der Nähe von Hecken, Stromleitungen, Kirchen, Altersheimen und Krankenhäusern gezündet werden. Die Böller dürfen auch nicht in die Richtung von Menschen oder Autos zielen. „Zu beachten ist zudem die Altersbeschränkung.

F1 bedeutet, dass das Feuerwerk für Jugendliche ab zwölf Jahren geeignet ist, wie Wunderkerzen oder ein Tischfeuerwerk“, sagt Burkhard. „Auf den Verpackungen ist vermerkt, für welches Alter das jeweilige Produkt zugelassen ist.“



Nur noch den Kopf schütteln kann der Weidener Polizeisprecher, wenn Silvesterpartys ausarten. „Vor ein paar Jahren kam ein junger Mann zu uns auf die Wache. Er hat in der Weidener Fußgängerzone ins neue Jahr gefeiert und jemand hat ihm einen Böller in die Kapuze geworfen“, erzählt Burkhard.

Hilfe im Notfall

„Seine Nackenhaare und die Haut waren verbrannt. Dafür habe ich absolut kein Verständnis.“ Laut Dr. Rainer Voss, Leiter der Notaufnahme am Klinikum St. Marien in Amberg, ist an Silvester mehr los als sonst.

Besonders Schnittwunden, Handgelenkbrüche oder Verbrennungen kämen gehäuft vor. „Das Krankenhaus ist 24 Stunden lang geöffnet und bietet mit Fachärzten eine umfassende Hilfe, falls ein Notfall eintrete“, sagt der Leiter der Notaufnahme.

25 bis 30 Einsätze in Weiden

Aber auch die Polizei Weiden hat in der Nachtschicht zum Jahreswechsel viel zu tun. Mit 25 bis 30 Einsätzen müsse gerechnet werden. Zu vorgerückter Stunde und nach Alkoholkonsum sei alles möglich: „Am Anfang sind es noch kleinere Delikte wie Ruhestörungen. Später kommen vor allem Hecken- oder Müllcontainerbrände, Streitigkeiten oder Körperverletzungen dazu.“

Die Containerbrände seien in Weiden laut Stadtbrandrat Richard Schieder in den letzten Jahren jedoch zurückgegangen: „Das liegt daran, dass die Müllcontainer nun eingezäunt sind und übermütig Feiernde keine Böller mehr reinstecken können.“ Die Weidener Feuerwehr müsse an Silvester vor allem bei Hecken- oder Balkonbränden ausrücken.

Blindgänger in Ruhe lassen

Damit sich eine Rakete nicht ins Haus verirrt, rät Schieder, das Feuerwerk auf freien Plätzen hochgehen zu lassen, die Sicherheitsabstände, die auf den Verpackungen stehen, einzuhalten und Blindgänger nicht noch einmal zu entzünden. „Wenn ein Böller nicht explodiert, sollte man bis zum nächsten Tag warten, um sicherzugehen, dass sich der Effekt nicht verzögert“, meint Fredi Weiß, Kreisbrandrat in Amberg-Sulzbach. Erst dann solle man den Blindgänger in den Restmüll werfen.

Auf der sicheren Seite sei man immer mit einem Eimer Wasser oder einem Feuerlöscher in der Nähe. Bei Tischfeuerwerken sind außerdem feuerfeste Unterlagen wie Keramikplatten notwendig. Luftschlangen und andere brennbare Gegenstände sollte man wegräumen, bevor die Fontäne das Esszimmer erhellt.