Kein Herz für schwerkranken Zweijährigen

Die Uniklinik Gießen muss einen herzkranken Jungen mit schwerem Hirnschaden nicht auf die Warteliste für ein Spenderorgan setzen. Das hat das Landgericht Gießen am Freitag nach einem monatelangen Streit mit den Eltern des Kindes entschieden. Es stützte damit das Vorgehen der behandelnden Ärzte, die den Zweijährigen wegen der Schädigung und den damit verbundenen Risiken für nicht transplantationsfähig halten. Der Anwalt der Eltern will Rechtsmittel einlegen. Der Junge ist derzeit an ein künstliches Herz angeschlossen.

Die Eltern waren mit ihrem Sohn zur Behandlung aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Kurz vor der Abreise Ende März erlitt er einen Herzstillstand. In Gießen stellte sich heraus, dass der Zweijährige dadurch einen schweren Hirnschaden erlitten hatte. Die Einschätzung der Ärzte sei nicht zu beanstanden, hieß es jetzt in der Urteilsbegründung. Auch die entsprechende Norm des Transplantationsgesetzes und die Richtlinien der Bundesärztekammer seien wirksam.

Der Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt. Kritiker warfen den Ärzten vor, sie diskriminierten Behinderte. Die Klinik hatte das zurückgewiesen. Auch in dieser Frage gab es Rückendeckung des Gerichts: Es liege keine Diskriminierung vor, erklärte der Richter. Nicht die Hirnschädigung an sich, sondern die erhöhten Operationsrisiken seien ein Hindernis. Im Streit hatten sich beide Seiten zunächst auf einen Zwischenvergleich geeinigt. Die Eltern bekamen vier Wochen Zeit, eine andere Klinik zu finden. Als das scheiterte, musste das Gericht entscheiden.
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