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Immer weniger Zeit verbringen Kinder beim Sport - ein Verhalten, das sich im Erwachsenenalter oftmals fortsetzt. Bild: dpa

Kinder sollten lieber Fußball spielen als am Computer hängen. Viele Kinder in Deutschland sitzen laut einer Studie zu viel - wie auch Erwachsene. Das hat Folgen für die Gesundheit, warnen Experten.

Von der Schulbank vor den Bildschirm und von dort ins Bett: Sieht so der Alltag von Kindern in Deutschland aus? Der neue Gesundheitsreport der Deutschen Krankenversicherung (DKV) gibt darauf Hinweise: Neben einer repräsentativen Befragung von 3000 Erwachsenen zum Gesundheitsverhalten sollten auch 300 Eltern Auskunft geben, wie viel Zeit ihre Kinder mit Fernsehen oder Spielkonsole verbringen.

Reizüberflutete Sitzenbleiber

Der Großteil der 6- bis 12-Jährigen verbringt zu viel Zeit mit diesen Medien - mehr als eine Stunde pro Tag. Das zu begrenzen, fällt nach eigenen Angaben knapp 40 Prozent der Eltern schwer. Reizüberflutung ist nur ein damit verknüpftes Problem, sagte der wissenschaftliche Leiter des DKV-Reports, Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS), am Montag.

Die Kinder würden damit auch viel zu lange stillsitzen. Ein Verhalten, das sie sich offenbar bei Erwachsenen abschauen: Diese sehen die DKV-Experten ebenfalls als "Sitzenbleiber". Das Dauersitzen war erstmals ein Schwerpunkt des Reports, neben Aspekten wie Stress und Ernährung. Was das Sitzen riskant macht? Es schade dem Biosystem Mensch, das evolutionär für Bewegung konstruiert sei, sagte Professor Gerhard Huber vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg. Negative Folgen auf Abläufe im Körper seien nachgewiesen: auf Energieverbrauch, Fettverbrennung oder Entzündungshemmung etwa.

Mehrere Studien haben nach Angaben Hubers zudem Zusammenhänge mit einer erhöhten Sterblichkeit gezeigt. Auch Krebs- und Diabetes-Erkrankungen werden damit in Verbindung gebracht. "Wir wissen allerdings noch nicht genau, warum das so ist", sagte Huber. Die Gefahr steige ab durchschnittlich acht Sitzstunden pro Tag deutlich an. Das dürften viele Kinder überschreiten, sie sitzen sie im Schnitt zusätzlich zum Unterricht vier Stunden lang.

Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Nur jedes zweite Kind bewegt sich der Befragung zufolge ausreichend (Minimum eine Stunde pro Tag). Ratsam sind laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte aber drei Stunden und mehr.

Routinemäßig beginnen Kinderärzte bei 4- und 5-jährigen Patienten, die Eltern nach den Bewegungsroutinen zu fragen. Fehlt Bewegung, könne sich das Skelett nicht richtig ausbilden. Solange Kinder in die Kita gingen, sei meist noch alles in Ordnung: "Der Bruch ist da, wenn die Kinder in die Schule kommen" sagte Verbandssprecher Ulrich Fegeler.

Bewegung kompensiert

Kinder, die sich wenig bewegen, neigten zu Fettleibigkeit. Damit eröffne sich "ein ganzer Reigen an Organerkrankungen". Zwar könne der Schulweg zu Fuß langes Sitzen nicht wettmachen, so Huber: "Trotzdem gilt: Je mehr Bewegung, desto besser lassen sich Sitzzeiten tolerieren."
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