"Killermöwen" kreisen im Sommerloch

Angriff der "Killermöwen"? In Großbritannien beherrschen Schilderungen über gefiederte Aggressoren die Schlagzeilen. Offenbar werden die Tiere bei der Futtersuche immer rücksichtsloser. Archivbild: dpa

Die Möwe hat sich jenseits des Ärmelkanals zum Schlagzeilen-Tier des Jahres gemausert - und verbreitet mit ihrer Vorliebe für Fish and Chips und für süße Hunde Angst und Schrecken bei den Briten.

Seit Hitchcocks "Die Vögel" ist eigentlich klar, dass man Möwen nicht trauen kann. Wie in einer Szene dieses Films sei es gewesen, sagt Sue Atkinson. Ein Foto zeigt ihre Kopfwunde. Die Rentnerin aus Cornwall, das für beschauliche Landschaften bekannt ist, wurde Opfer einer Möwenattacke. Ebenso der vierjährige James, der eine Fingerverletzung davontrug. "Killermöwen" hätten eine Schildkröte namens Stig getötet, berichtete die "Times" neulich. Yorkshire Terrier "Roo" musste nach einem Angriff eingeschläfert werden. Im Sommerloch fürchten die Briten die Möwen-Invasion.

Kein Geld von Regierung

Premierminister David Cameron hat eine "große Debatte" über das Problem gefordert. Seine eigenen Erfahrungen klingen erträglich: "Ich erinnere mich, dass vor langer Zeit ein paar Möwen versucht haben, den Schinken aus einem Sandwich zu nehmen. Aber ich habe das seitdem nicht dem gesamten Möwenbestand angekreidet." Im Frühjahr hatte die Regierung eine Viertelmillion Pfund für "Möwen-Aggressionsforschung" zugesagt - nach der Wahl wurde aber nichts draus.

Ein verhängnisvoller Fehler? Eine sogenannte Möwen-Aufklärungsgruppe mit ihrem Sprecher warnt in verschiedenen Medien, dass unbewachte Babys die nächsten Opfer sein könnten. Die Aufregung ist längst ins benachbarte Irland übergeschwappt. "Man sieht ein Kind, das Fish and Chips isst, und eine Möwe greift das Essen an", beschreibt Parlamentarier Denis O'Donovan seinen Kollegen in Dublin die Lage. Und fordert, die Tiere zu keulen.

Die erregte Debatte hat die Königliche Gesellschaft zum Schutz von Vögeln (RSPB) auf den Plan gerufen. Ihr Tipp: Nicht füttern, sonst betrachteten die Tiere Menschen am Ende als Nahrungsquelle. Pommes und Eis sei für die Möwen außerdem nicht gerade gesund. Ein Fütterverbot mag nach einer guten Lösung klingen. Doch kaum denkt die Stadtverwaltung des malerischen walisischen Seebads Llandudno über Strafen für hartnäckige Möwenfütterer nach, kommt Einspruch aus unerwarteter Ecke: "Wir haben über Bußgelder nachgedacht, aber man hat uns gesagt, es sei in manchen Religionen ein Recht, Vögel zu füttern!", twittert der Tourismusbeauftragte Jim Jones. Vielleicht könnte stattdessen die Idee einer Londoner Anwaltskammer Schule machen: Dort ist seit drei Jahren Wüstenbussard Sally im Einsatz und soll die Möwen vom Nisten abschrecken. Das funktioniere prima, sagt eine Sprecherin.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.