Kinder keine Karrierekiller

Erst Karriere, dann Kinder: Apple und Facebook bieten ihren Mitarbeiterinnen an, das Einfrieren von Eizellen zu finanzieren. Aus Deutschland gibt es Kritik - und Vorschläge für Alternativen.

Das Angebot von Apple und Facebook, Mitarbeiterinnen in den USA das Einfrieren von Eizellen zu finanzieren, ist in Deutschland auf breite Ablehnung gestoßen. "Wenn man Zugang zu den besten Köpfen haben möchte, dann sollte man soziale Probleme auch mit sozialen Mitteln lösen und nicht durch Eingriffe in den Körper", sagte die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christiane Woopen, am Donnerstag.

Vernünftige Arbeitszeitmodelle, Haushaltshilfen sowie eine zuverlässige und positiv gestaltete Kinderbetreuung seien Alternativen, meinte Woopen. Der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) kritisierte, das Thema werde lediglich vertagt.

Ähnliche Situation mit 40

"Wenn Frauen dann später mit Anfang 40 Kinder bekommen, dann machen sie immer noch Karriere und müssen den Beruf mit der Familie unter einen Hut bekommen", sagte Geschäftsführerin Claudia Große-Leege. "Man kann auch als Teilzeitkraft eine Führungsperson sein." Kinder dürften nicht als karriereschädlich verstanden werden - weder für Frauen noch für Männer.

Auch von Arbeitgebern und Gewerkschaften gab es Gegenwind. "Die deutschen Arbeitgeber mischen sich nicht in die Familienplanung von Arbeitnehmern ein", sagte ein Sprecher der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) der "Süddeutschen Zeitung".

DGB-Vize Elke Hannack sagte der "SZ": "Geht's noch? Familienpolitik sieht für uns anders aus." Es seien keine Unternehmen nötig, die ihren Mitarbeiterinnen die Entscheidung für oder gegen Kinder "schwer machen und vorgaukeln, sie könne auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden".

Politiker äußerten sich ebenfalls ablehnend. Der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg, bezeichnete das Angebot der beiden US-Firmen als "unmoralisch, gesellschaftspolitisch ein fatales Zeichen und familienpolitisch untragbar". Hier sei eine ethisch-moralische Grenze überschritten. Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Ulle Schauws, sagte: "Die Kinderwunschfrage von Frauen mit der ökonomischen Optimierung von Firmen zusammen zu bringen, ist sehr schräg." Die Methode sei noch lange nicht ausgereift. Linke-Familienpolitikerin Diana Golze warf den Firmen ein "verachtendes Frauenbild" vor.

Apple und Facebook betonen, die Maßnahme sei lediglich ein Teil ihrer Sozialleistungen für Frauen. Sie verstehen ihr Angebot als Hilfe bei der Karriere- und Lebensplanung. Damit könnten Frauen den Kinderwunsch aufschieben und sich auf ihre Karriere konzentrieren. (Angemerkt)
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