Kinderhilfe Afghanistan bringt entführten Buben zurück - Heimreise dauert 30 Tage
"Wir haben ein bisschen getrickst"

Deutschland und die Welt
01.09.2007
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München/Mintraching. In einem mit grellem Neonlicht erfüllten Warteraum des Flughafens München erlebte Olesya Rahimi (30) am Donnerstagabend die längsten Minuten ihres Lebens. Flug EK051 verspätete sich um eine Viertelstunde. Der Airbus aus Dubai hatte ihren Sohn Timur an Bord, der vor neun Monaten entführt wurde.

"Mutter und Sohn sind jetzt zusammen", erklärte Dr. Reinhard Erös kurz nach der Landung im Flughafen-Terminal. "Wir wollen sie jetzt nicht stören." Erös, gebürtiger Tirschenreuther und Leiter der Kinderhilfe Afghanistan, hatte die Freilassung des zehnjährigen Jungen mit ausgehandelt und ihn persönlich abgeholt.

Vater todkrank

"Ich habe drei Nächte nicht geschlafen", erzählt der frühere Bundeswehrarzt. "Timur ist seit 30 Tagen ununterbrochen unterwegs." Mit der Ankunft des Flugzeuges ging eine Kindesentführung zu Ende, die Monate lang die Münchner Kriminalpolizei beschäftigte. Der 55 Jahre alte Vater Timurs, der mit einer schweren Krebserkrankung in der Klinik der Stadelheimer Justizvollzugsanstalt liegt, hatte den Buben im November vergangenen Jahres nach einem Ehestreit zu seinem Familienclan nach Afghanistan verschleppen lassen. Zum Aufenthaltsort wollte er sich nicht äußern. Er werde sein Geheimnis mit ins Grab nehmen, erklärte er seiner Frau und den Ermittlern. Da wandte sich die Polizei hilfesuchend an die in Mintraching (Kreis Regensburg) beheimatete Kinderhilfe. "Ich habe meine Kontakte genutzt und es hat geklappt", sagte Erös am Donnerstagabend. Lösegeld sei nicht geflossen. "Wir haben ein bisschen getrickst. Mehr sage ich dazu nicht." Erös betont, dass die Freilassung ohne Gewalt und legal vonstatten gegangen sei. Im Laufe der sich über vier Wochen hinziehenden Aktion seien aber Transportkosten und "Spesen" von rund 12 000 Euro angefallen (siehe weiteren Bericht).

Schwerer Autounfall

Der 200-köpfige Clan im Bundeswehr-Einsatzgebiet in der Nähe von Masar-i-Scharif gab Timur frei. Mitarbeiter der Kinderhilfe holten den Jungen ab und brachten ihn am Mittwoch über die Grenze nach Pakistan. "Das Gefährlichste an der ganzen Sache war die Autofahrt Richtung Islamabad. Direkt vor uns hat es gekracht und wir mussten Erste Hilfe leisten", berichtete Erös.

Die Rückkehr von Timur zu seiner Mutter nach München war nicht nur ein Triumph der Gerechtigkeit, sondern auch ein Triumph von Reinhard Erös und seiner Hilfsorganisation. Erös: "Der Fall hat wieder einmal gezeigt, dass du mit Gewalt gar nichts erreichst."

Weitere Informationen im Internet:

www.kinderhilfe-afghanistan.de