Kino-Schütze vor Gericht

Für die Familien der Opfer lässt der voraussichtlich bis zum Jahresende dauernde Prozess die Geschehnisse vor zwei Jahren wieder aufleben. Bild: dpa

In den USA steht jetzt der Mann vor Gericht, der 2012 in einer "Batman"-Filmvorführung um sich schoss und 12 Menschen tötete. Die Geschworenenauswahl wird eine Mammutaufgabe.

Zweieinhalb Jahre nach dem Amoklauf in einem Kino im US-Staat Colorado steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Dem heute 27-jährigen James Holmes wird vorgeworfen, während der nächtlichen Vorführung eines neuen "Batman"-Films in der Stadt Aurora 12 Menschen erschossen und 58 verletzt zu haben. Die Verteidigung hat "auf nicht schuldig" wegen Unzurechnungsfähigkeit plädiert.

Zum Auftakt des Prozesses am Dienstag in Centennial, einem Vorort von Denver, wurden noch Verfahrensfragen geklärt, dann begann am Mittag (Ortszeit) die langwierige Geschworenenauswahl. Sollte Holmes für schuldig befunden werden, droht ihm die Todesstrafe. Nach Gerichtsangaben ist mit den Eröffnungsplädoyers nicht vor Juni zu rechnen, mit einem Urteil wohl kaum vor dem Jahresende.

Der Angeklagte erschien in einem graublauen Sakko, blauweiß gestreiften Hemd und bräunlichen Hosen im Gerichtssaal. Er trug einen Bart, Kurzhaarschnitt und eine Hornbrille und wirkte fast wie ein Student - im Gegensatz zu seinen feuerrot gefärbten wilden Haaren auf ersten Fotos nach seiner Festnahme. Damals soll er der Polizei gesagt haben, er sei der Bösewicht und "Batman"-Gegenspieler "Joker".

Angeklagter bleibt still

Holmes verfolgte den Auftakt am Vormittag weitgehend still. Er sprach nur selten mit seinen Anwälten und schaukelte ab und zu auf seinem Stuhl vor und zurück. Seine Hände waren frei, aber vor dem Herausführen bei einer Sitzungsunterbrechung bekam er Handschellen.

Amokläufer überleben selten, meist töten sie sich nach ihren Taten selbst oder werden von der Polizei erschossen. Daher ist der Prozess gegen den mutmaßlichen Kino-Mörder von Aurora besonders. Der Prozess dürfte sich weitgehend darum drehen, ob der Schütze zur Tatzeit schuldfähig war, also ob er zur Rechenschaft gezogen werden kann oder nicht. Sprechen ihn die Geschworenen frei, würde Holmes in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Die Schwierigkeit des Prozesses spiegelt sich in der Jury-Auswahl wider. Das Gericht hatte ursprünglich 9000 Kandidaten einbestellt - so viele wie selten zuvor in einem Verfahren in der US-Rechtsgeschichte.

Fast jeder Fünfte war bereits im Vorfeld "ausgemustert" worden, wie Richter Carlos Samour am Dienstag mitteilte. Damit stehen noch etwa 7000 Kandidaten zur Verfügung. Zu Beginn muss jeder zunächst einen Fragebogen ausfüllen, eine erste Gruppe von 150 Anwärtern wurde dazu am Dienstag einberufen. Direkte Befragungen werden erst Mitte Februar beginnen.

Mit Gasmaske und Schutzweste vermummt drang der Täter am 20. Juli 2012 in das Kino ein, warf Rauchbomben, versprühte Tränengas. Einige Kinobesucher glaubten zunächst, es handle sich um einen Werbegag - bis die tödlichen Schüsse durch das Kino peitschten.

Scharfer Verstand

Die Ankläger wollen im Prozess betonen, dass Holmes seine Tat monatelang plante, sich ein Waffenarsenal sowie Tausende Schuss Munition zulegte und seine Wohnung mit mehreren Sprengfallen versah, die ganz offensichtlich für die Ermittler gedacht waren. Das lasse auf scharfen Verstand und Schuldfähigkeit schließen.

Die Verteidigung sieht das anders: Holmes sei seit langem psychisch krank gewesen und habe den Amoklauf während einer besonders schweren Phase begangen. So habe sich Holmes vor seiner Tat einer Psychologin der Universität offenbart - diese habe die Universität über die Gefährlichkeit des Mannes unterrichtet.
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