Kirche kommt auf den Hund

40 Gäste lauschten den Geschichten zur Geschichte der evangelischen St-Peter-und-Paul-Kirche, die Pfarrer Dr. Volker Wappmann im Gasthaus Miedl vortrug.

Der aus Vohenstrauß kommende Experte sprach im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum 300-jährigen Bestehen des Gotteshauses. Unterstützt durch Bildmaterial zeigte der Referent die Stellen an den Außenwänden, an denen vor der großen Renovierung um 1910 noch Treppen hinauf zu Emporen führten. Die Stiegen sind mittlerweile weg, die Eingänge an beiden Seiten des Kirchenschiffs wurden verschlossen.

Reicher Gönner

"St. Peter und Paul ist die Kirche mit den vielen Hunden", meinte Wappmann. Sollte die Predigt mal etwas länger dauern, könne man die Vierbeiner, das Wappentier der Familie Hundt, in der Kirche zählen. Johann Christoph Hundt sei ein großer Gönner und eine bedeutende Persönlichkeit für die Kirche gewesen. Der Adelige besaß eines der zwei Hofmarksgüter in Püchersreuth. Durch seinen Reichtum sicherte er seinem Namen einen festen Platz im Ort.

Sein Geld verlieh der Kirche ihr heutiges Antlitz. Seine Ehe blieb allerdings kinderlos. "Ob dies an dem Fluch lag, den eine alte Hexe gegenüber seiner geizigen Ehefrau ausgesprochen haben soll?" Demgemäß sollte die Gattin keine Kinder, sondern nur noch Hunde gebären.

Pfarrer Wappmann ging auch auf weitere Besonderheiten im Kircheninneren ein, wie die Orgel, die an der Wand befestigten Grabplatten und den Altar. Auch einen Exkurs über das Simultaneum fügt er ein. Während langer Jahre gehörte die Kirche beiden Konfessionen zu gleichen Teilen. Katholische Messen wechselten sich mit evangelischen Gottesdiensten ab. "Dies führte oft zu handfesten Auseinandersetzungen."

Leere Kirchenbänke

"Kurz nach 1900 wurden viele Simultaneen in unserer Region aufgelöst." Meistens zog die katholische Seite aus und baute sich ein größeres Gotteshaus. Mit Augenzwinkern stellte Wappman fest, dass dies wohl aus heutiger Sicht ein Fehler war, betrachtet man doch die leeren Kirchenbänke beider großer Konfessionen.

Wappmann berichtete, dass die evangelische Gemeinde Püchersreuth wechselweise zu Wilchenreuth oder zu Plößberg gehörte. Während Wilchenreuth schon früher eine reiche Kirchengemeinde mit einer kontinuierlich besetzten Pfarrstelle war, war Plößberg eher das Gegenteil. Der Pfarrer wechselte sehr häufig, er hatte viele Kirchen seelsorgerisch zu versorgen und der Pfarrhausneubau zog sich lange Zeit hin.

So mancher Gast überlegte kurz, auf welche Zeit sich der Referent wohl bezog. Für den ein oder anderen war schnell klar: Geschichte wiederholt sich.
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